Ratgeber Schrebergarten: Wissenswertes für angehende Kleingärtner

Entspannung im eigenen Schrebergarten – für viele Menschen der perfekte Rückzugsort.
Entspannung im eigenen Schrebergarten – für viele Menschen der perfekte Rückzugsort.

Für Millionen Bundesbürger steht der eigene Schrebergarten für Freizeit und Erholung, gerade Städter möchten sich mit einem Kleingarten einen Rückzugsort vom Stadttrubel schaffen. In diesem Ratgeber erfahren Sie die wichtigsten Richtlinien zum Thema Schrebergärten und Kleingärten in Deutschland.

Welche Rechte und Pflichten hat man als Kleingärtner?

Im Bundeskleingartengesetz sind die Vorgaben und Privilegien der Kleingärtner geregelt. Zu den Vorgaben gehören beispielsweise der Anbau von Obst und Gemüse (nur für den Eigenbedarf) oder die Nutzung der Wege (für Fußverkehr).

Als Kleingärtner genießt man jedoch auch zahlreiche Privilegien. Beispielsweise ist die Pacht relativ günstig und gedeckelt, trotz Nutzung vom kommunalen Land. In Zahlen bedeutet das, dass man für einen durchschnittlich großen Schrebergarten von derzeit ca. 370m2 zwischen 70 und 80 Euro pro Jahr bezahlt. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von etwa 20 Cent. Zudem darf die Pacht nur höchstens das Vierfache des ortsüblichen Preises für Obst- und Gemüseanbau betragen.

Welche jährlichen Ausgaben hat man außer der Pacht?

Zusätzlich zur Pacht kommen je nach Standort und Organisation des Vereins unterschiedliche Kosten hinzu. Meistens sind dabei:

  • Der Mitgliedsbeitrag für den Verein
  • Die Nebenkosten wie Abwasser und Strom
  • Spezielle Versicherungen

In der Summe belaufen sich die Kosten für einen durchschnittlichen Schrebergarten von ca. 370m2 Größe auf etwa 550 Euro im Jahr, inklusive Pacht und aller Nebenkosten.

Wie viel kostet ein Schrebergarten bei der Übernahme?

Es ist üblich, eine Entschädigung an den Vorpächter zu zahlen. Die genauen Kosten werden von einem Schätzer aus dem Landesverband beziffert. In die Schätzung fließen die Pflanzen, Anlagen und Bebauung ein, allerdings nur die, die für einen Kleingarten typisch sind. Damit kann beispielsweise eine neue Dachrinne an der Gartenlaube in die Bewertung einfließen, eine neue Einbauküche darin hingegen nicht, da letztere keine übliche Ausstattung eines Kleingartens darstellt. Möglich wäre, sich in einem solchen Fall mit dem Neupächter über eine Abstandszahlung außerhalb der Wertermittlung zu einigen. Dasselbe gilt für Gartengeräte wie zum Beispiel einen Vertikutierer oder Notstromaggregat.

Eine durchschnittliche Ablösesumme für einen Schrebergarten beträgt derzeit in Deutschland etwa 3.000 bis 4.000 Euro.

Infografik: So viel kostet ein Kleingarten in der Stadt | Statista
Die Grafik zeigt die durchschnittlichen Übernahmepreise für Kleingärten in ausgewählten deutschen Städten.

Wie findet man einen passenden Schrebergarten?

Die meisten Interessenten finden einen geeigneten Kleingarten auf die klassische Weise: Sie laufen in der Gegend umher und schauen sich Schrebergartenkolonien und die freien Parzellen darin selbst an. Hilfreich sind auch Anzeigen in den Schaukästen der jeweiligen Anlage, meistens sind diese im Vereinshaus oder auch am Eingang platziert.

Eine Suche im Internet erleichter gleichermaßen die Recherche. So können Sie in relativ kurzer Zeit alle Kolonien in der Nähe “abgrasen” und per E-Mail nach verfügbaren Plätzen fragen. Generell gilt: Je weiter die Gartenkolonie vom Stadtkern entfernt ist, desto kürzer die Warteliste.

Je nach Gebiet kann die Beliebtheit und somit Wartezeit auf eine Parzelle stark variieren. In den meisten Fällen regeln die Kleingartenvereine den Zugang und die Wartelisten selbst. Das gilt insbesondere für den ländlichen Bereich und Kleinstädte. In Großstädten sind die Wartelisten sehr viel länger. Dort regeln die Regionalverbände für die Platzvergabe.

Wie kommt man auf eine Warteliste?

Haben Sie sich für eine Kleingartenkolonie in einem beliebten Gebiet entschieden, müssen Sie in den meisten Fällen ein Formular ausfüllen, um auf die Warteliste zu kommen. Darin geben Sie Ihre Kontaktdaten an, den infrage kommenden Bereich der Kolonie und gegeben Falls ein Gebot, also den Preis, den Sie für die Übernahme einer Parzelle bereit wären zu bezahlen. Bei der Vergabe hat der Verein dann das letzte Wort. Mit einem relativ hohen Gebot und der Bereitschaft, sich im Vereinsleben zu beteiligen, haben Sie die besten Chancen, einen begehrten Platz zu ergattern.

Ist eine Mitgliedschaft im Kleingartenverein immer nötig?

Ja, denn die Kleingartenvereine verpachten die Parzellen nur an ihre Mitglieder. Zudem kommen durch die Mitgliedschaft gewisse Pflichten auf das Mitglied zu, wie zum Beispiel abzuleistende Arbeitsstunden für die Anlagenpflege.

Hat man eine Anbaupflicht?

Auf einem Drittel der verfügbaren Anbaufläche sollte Obst und Gemüse angebaut werden.
Auf einem Drittel der verfügbaren Anbaufläche sollten Obst und Gemüse angebaut werden.

Bei jeder Jahreshauptversammlung wird auf die Anbaupflicht hingewiesen. Diese besagt, dass man auf mindestens einem Drittel der verfügbaren Anbaufläche Obst und Gemüse für den Eigenbedarf anbauen muss. Nicht alle Kleingärtner halten sich genau dran, jedoch sollte man davon ausgehen, dass ein reiner Grillplatz mit einem BBQ Smoker und einer kleinen Kinderspielecke gegen das Regelwerk verstößt. Der Verein riskiert nämlich seine Gemeinnützigkeit, wenn die vorgegebene Anbaufläche nicht regelkonform genutzt wird. Es gilt, eine vorab bestimmte Quote zu erfüllen.

Darf man alle Pflanzen anbauen, die man möchte?

Das regelt jeder Kleingartenverein unterschiedlich. Die Bundesländer haben Rahmenverordnungen und dürfen darin Vorschriften festlegen, dies können Vorschriften bezüglich des Höhenwachstums sein, aber auch Verbote von bestimmten Pflanzenarten. Im Bundeskleingartengesetz sind die allgemeingültigen Vorschriften zusammengefasst.

Welche Tiere darf man auf der Parzelle halten?

In der meisten Kleingartenkolonien ist das dauerhafte Halten von Tieren wie Hühnern, Tauben oder Kaninchen verboten. Sie können jedoch meistens ihre Haustiere mitbringen. Bienenzucht ist hingegen oft erwünscht, natürlich nach vorheriger Absprache.

Welche Attraktionen für Kinder dürfen aufgestellt werden?

Trampoline sind in Kleingartenkolonien fast immer erlaubt.
Trampoline sind in Kleingartenkolonien fast immer erlaubt.

Jeder Kleingartenverein regelt in seiner Satzung die Aufstellung und Nutzung von Sandkästen, Spielhäusern, Rutschen und Pools. Für gewöhnlich sind all diese Kinderattraktionen erlaubt, manchmal mit Einschränkungen, wie zum Beispiel einer Höhenbeschränkung für Spielhäuser.

Bei Baumhäusern ist vielerorts eine Zustimmung des Verpächters notwendig. Pools dürfen meistens ohne eine gesonderte Bewilligung aufgestellt werden, allerdings sollten es mobile Becken sein, die man nach der Saison wieder abbauen kann. Pools ins Erdreich einlassen ist meistens nicht erlaubt.

Gute Nachricht für alle Trampolin-Fans: In den allermeisten Kleingartenkolonien sind Trampoline jeglicher Größe erlaubt.

Was muss ich beim Bau einer neuen Gartenlaube beachten?

Wer die Laube des Vorpächters nicht übernehmen möchte, sollte einen Abriss vor der Übernahme der Parzelle vereinbaren. Die neue Laube darf laut Bundeskleingartengesetz bis zu 24 Quadratmeter groß sein, wenn die Parzelle kleiner als 200 Quadratmeter ist, sind es sogar weniger.

Klären Sie alle offenen Fragen vorher mit dem Verein ab, je nach Bundesland dürfte die alte Gartenlaube des Vorpächters unter Bestandsschutz fallen und daher größer sein, als gesetzlich vorgegeben. In Berlin hat man diesbezüglich eher schlechte Karten: Hier dürfen Gartenlauben nur höchstens 6 % der Parzellenfläche einnehmen, was beispielsweise bei einer Parzellengröße von 300 Quadratmetern nur maximal 18 Quadratmeter Gartenlaube bedeuten würden.

Was passiert bei Einbruch und Diebstahl?

Schließen Sie vor der Übernahme eines Schrebergartens eine spezielle Kleingartenversicherung (Laubenversicherung) bei Ihrer Hausratversicherung ab. Damit sichern Sie sich gegen Einbruch und Diebstahl ab, was in Kleingartenkolonien insbesondere in der kalten Jahreszeit vorkommt.

Verbraucher.Online Redaktion
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