Anfang Juli, die erste Sandale des Sommers - und da fällt es auf: Der große Zehennagel ist gelblich verdickt, an der Kante bröckelig. In der Drogerie liegt der passende Stift für gut zehn Euro, "Erfolge in ein bis zwei Wochen" verspricht die Packung. Man pinselt ihn wochenlang gewissenhaft auf - und nichts passiert. Was auf der Packung nicht steht: Das Produkt ist ein Medizinprodukt ohne einen einzigen Stoff, der den Pilz abtötet. Genau solche Mittel hat die Stiftung Warentest gerade durchfallen lassen. Und womöglich war der Nagel nie ein Pilz - denn etwa die Hälfte aller Nagelveränderungen, die wie Nagelpilz aussehen, ist gar keine Pilzinfektion.

Selbstcheck: Apotheke oder Arzt?

Nicht jeder verfärbte Nagel gehört in Selbstbehandlung. Fünf Fragen zeigen Ihnen, ob ein rezeptfreies Mittel reicht oder ob Sie besser zum Arzt gehen - ohne persönliche Daten.

Nagelpilz-Selbstcheck

Fünf Fragen - ist Selbstbehandlung vertretbar oder gehört das zum Arzt?

1 Wie viele Nägel sind betroffen?
2 Wie viel eines einzelnen Nagels ist befallen?
3 Ist die Nagelwurzel (der weiße Halbmond) betroffen?
4 Trifft eines zu: Diabetes, geschwächtes Immunsystem, Durchblutungsstörung, Kind, Schwangerschaft oder Stillzeit?
5 Ist die Diagnose "Nagelpilz" ärztlich oder im Labor gesichert?
Ergebnis

33 Mittel geprüft, nur 6 empfohlen

Die Stiftung Warentest hat im Juni 2026 insgesamt 33 Mittel gegen Nagelpilz bewertet - von der Drogerie bis zur verschreibungspflichtigen Tablette. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Nur sechs sind empfehlenswert. Vier davon sind rezeptpflichtige Tabletten für schwere Fälle, zwei sind rezeptfreie äußerliche Mittel für leichten Befall. Der ganze Rest - darunter alle fünf frei verkäuflichen Produkte aus dem Drogeriemarkt - überzeugte nicht.

Recherche-Fakten

  • Testergebnis: Stiftung Warentest prüfte 2026 insgesamt 33 Mittel gegen Nagelpilz und empfiehlt nur 6: vier rezeptpflichtige Terbinafin-Tabletten für schwere Fälle und zwei rezeptfreie äußerliche Mittel für leichten Befall.
  • Drogerie-Durchfall: Alle fünf frei verkäuflichen Drogerie-Produkte fielen mit der schlechtesten Bewertung durch - als Medizinprodukte enthalten sie keinen pharmakologisch gegen den Pilz wirkenden Stoff, sondern weichen den Nagel nur auf oder säuern ihn an.
  • Heilungsraten: Ein Jahr nach Behandlungsbeginn ist der Pilz laut IQWiG bei etwa 30 von 100 Anwendern eines Ciclopirox-Lacks verschwunden, bei rund 76 von 100 mit Terbinafin-Tabletten und bei etwa 43 von 100 mit Itraconazol-Tabletten - gegenüber nur 7 bis 17 von 100 ohne Behandlung.
  • Fehldiagnose: Etwa die Hälfte der Nagelveränderungen, die wie Nagelpilz aussehen, ist gar keine Pilzinfektion, sondern zum Beispiel Schuppenflechte oder ein Nageltrauma - deshalb rät die Fachleitlinie zur Labordiagnose vor der Behandlung.
  • Marktzugang: Kosmetische Mittel brauchen nach EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 vor dem Verkauf nur einen Sicherheitsbericht - eine behördliche Prüfung, ob das Produkt überhaupt wirkt, findet anders als bei Arzneimitteln nicht statt.

Zur Einordnung: Öko-Test kam 2022 zu einem deutlich milderen Urteil und bewertete 18 von 19 rezeptfreien Antipilzmitteln mit "sehr gut". Der Unterschied ist kein Widerspruch, sondern eine Frage des Prüffelds. Öko-Test prüfte damals vor allem zugelassene Arzneimittel, die Stiftung Warentest nahm 2026 gezielt die physikalisch wirkenden Drogerie-Produkte mit hinein und maß streng am Wirksamkeitsnachweis. In einem Punkt sind sich beide Institute einig: Die rein physikalisch wirkenden Produkte überzeugen nicht.

Drei Rechtsklassen im selben Regal

Das eigentliche Problem ist keine einzelne miese Marke, sondern eine Regulierungslücke. Produkte "gegen Nagelpilz" stehen nebeneinander im Regal, gehören aber drei völlig verschiedenen Rechtsklassen an - mit völlig unterschiedlichen Nachweispflichten. Das sieht man der Packung nicht an.

  • Arzneimittel (etwa Ciclopoli, Loceryl, Amorolfin- und Ciclopirox-Generika, Canesten Extra) brauchen eine behördliche Zulassung mit belegter Wirksamkeit nach den Paragrafen 21 und 25 des Arzneimittelgesetzes.
  • Medizinprodukte (die physikalisch wirkenden Stifte, Sets und Lösungen aus der Drogerie) brauchen nur eine CE-Kennzeichnung nach der EU-Medizinprodukte-Verordnung 2017/745 - eine vom Hersteller geführte klinische Bewertung, aber keine staatliche Prüfung, ob sie den Pilz wirklich heilen.
  • Kosmetika (Nagelöle, Pflegetinkturen) brauchen nach der EU-Kosmetikverordnung nur einen Sicherheitsbericht - gar keine Wirksamkeitsprüfung.

Die Folge steht im Testergebnis: Alle fünf physikalisch wirkenden Drogerie-Medizinprodukte fielen durch. Sie dürfen trotzdem verkauft werden, weil niemand vor dem Marktzugang prüft, ob sie wirken.

Die Rechtslage

Nach Paragraf 3 Heilmittelwerbegesetz (HWG) ist irreführende Werbung unzulässig; sie liegt insbesondere vor, wenn einem Mittel "eine therapeutische Wirksamkeit oder Wirkungen beigelegt werden, die sie nicht haben". Dieses Verbot gilt über Paragraf 1 HWG auch für Medizinprodukte und ist über Paragraf 3a und Paragraf 5 UWG abmahnbar. Die eigentliche Lücke liegt aber im Marktzugang, nicht in der Werbung: Ein physikalisch wirkendes Medizinprodukt oder ein Kosmetikum kommt - anders als ein Arzneimittel - ganz ohne behördlichen Wirksamkeitsnachweis in den Handel. Für Sie heißt das: Der Preis und das Regal sagen nichts darüber aus, ob ein Mittel je seine Wirkung belegen musste.

Die Fehldiagnose-Falle: Die Hälfte ist gar kein Pilz

Bevor es um Wirkstoffe geht, kommt der wichtigste Schritt - und der wird am häufigsten übersprungen. Ein verdickter, gelber, bröckeliger Nagel muss kein Pilz sein. Schuppenflechte, ein altes Trauma durch zu enge Schuhe, Durchblutungsstörungen oder andere Nagelerkrankungen sehen oft täuschend ähnlich aus.

Was das für Sie bedeutet

Nicht jeder verfärbte, brüchige Nagel ist ein Pilz - etwa die Hälfte der verdächtigen Nägel ist gar keine Onychomykose. Bevor Sie monatelang herumpinseln, sollten Sie die Diagnose beim Arzt sichern lassen. Die günstigen Stifte, Tinkturen und Sets aus der Drogerie enthalten oft gar keinen Wirkstoff gegen den Pilz; im Test fielen alle fünf durch. Selbst wirksame Mittel brauchen Geduld: Ein wirkstoffhaltiger Lack macht nach einem Jahr etwa 30 von 100 Anwendern pilzfrei, Tabletten vom Arzt rund 76 von 100 - und der große Zehennagel wächst erst in 12 bis 18 Monaten sauber heraus. Wer mehr als drei Nägel, mehr als die Hälfte eines Nagels oder die Nagelwurzel betroffen hat oder an Diabetes leidet, gehört zum Arzt, nicht in die Selbstbehandlung.

Die Diagnose ist einfach und meist Kassenleistung: Der Arzt entnimmt etwas Nagelmaterial. Unter dem Mikroskop sieht man Pilzfäden oft sofort, eine Pilzkultur braucht rund drei Wochen, eine PCR geht schneller. Diese drei Wochen Geduld ersparen im Zweifel ein Jahr sinnlose Behandlung des falschen Problems.

Wie Nagelpilz entsteht und warum er so hartnäckig ist

Auslöser sind in rund vier von fünf Fällen Fadenpilze (Dermatophyten), allen voran Trichophyton rubrum; seltener stecken Hefe- oder Schimmelpilze dahinter. Welcher Erreger es ist, entscheidet mit über die Behandlung - ein weiterer Grund für die Labordiagnose, denn gegen Hefen wirken teils andere Mittel als gegen Fadenpilze.

Der Pilz dringt über kleine Verletzungen am Nagelrand oder vom Nagelbett her ein und ernährt sich vom Keratin, dem Hornstoff des Nagels. Begünstigt wird das durch ein feuchtwarmes Milieu im Schuh, durch enge oder schlecht belüftete Schuhe, durch Sport mit Schwitzen und Mikroverletzungen, durch einen bestehenden Fußpilz - und durch alles, was Durchblutung oder Abwehr schwächt: höheres Alter, Diabetes, Durchblutungsstörungen. Nagelpilz ist eine der häufigsten Nagelerkrankungen überhaupt, und das Risiko steigt mit dem Alter deutlich.

Die Hartnäckigkeit hat zwei Gründe. Erstens ist der Nagel eine dichte Hornplatte, die Wirkstoffe von außen nur schwer durchdringen - deshalb versagen Lacke, sobald der Pilz tief im Nagelbett oder in der Nagelwurzel sitzt. Zweitens wächst der Nagel langsam: Der Wirkstoff muss so lange einwirken, bis der befallene Teil komplett herausgewachsen ist. Am großen Zeh sind das 12 bis 18 Monate. Wer diese Zeitspanne unterschätzt und zu früh aufhört, gibt dem Pilz die Chance, zurückzukehren.

Atmungsaktive Stoffsneaker lüften auf einer Fensterbank bei Tageslicht

Welche Wirkstoffe wirklich belegt sind

Wirksam gegen Nagelpilz sind nur echte Antimykotika - Stoffe, die den Pilz abtöten oder an der Vermehrung hindern. Bei den äußerlichen Mitteln sind das Ciclopirox, Amorolfin und Terbinafin als Lack sowie die Kombination aus Bifonazol und Harnstoff. Bei schwerem Befall führt kein Weg an Tabletten vorbei, weil der Wirkstoff den Pilz über die Blutbahn im nachwachsenden Nagel erreicht.

Der Unterschied im Wirkprinzip erklärt die Erfolgsquoten. Ein Lack wirkt nur dort, wohin er vordringt - an der Nageloberfläche und im oberen Nagelbett. Sitzt der Pilz tiefer oder in der Nagelwurzel, bleibt er unerreicht, und der Lack scheitert. Eine Tablette bringt den Wirkstoff dagegen von innen über die Blutbahn in den nachwachsenden Nagel. Das macht sie bei ausgedehntem Befall überlegen, aber auch anfälliger für Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten - weshalb Terbinafin-Tabletten verschreibungspflichtig sind und ärztlich begleitet werden.

Wirkstoff / Mittel Form Pilzfrei nach 1 Jahr (IQWiG) Einordnung
Ohne Behandlung - 7 bis 17 von 100 Nagelpilz heilt praktisch nie von allein.
Ciclopirox / Amorolfin Nagellack, rezeptfrei rund 30 von 100 (Ciclopirox) Leitlinie: geeignet bei leichtem Befall. Warentest: nur "mit Einschränkung".
Bifonazol + Harnstoff Salbe + Pflaster-Set, rezeptfrei rund 51 von 100 nach 3 Monaten Von Warentest empfohlen. Löst den befallenen Nagel zusätzlich ab.
Terbinafin Tablette, rezeptpflichtig rund 76 von 100 Mittel der Wahl bei schwerem Befall. Nur über den Arzt.
Itraconazol Tablette, rezeptpflichtig rund 43 von 100 Warentest: "mit Einschränkung". Vor allem bei Hefepilzen.

Eine wichtige Unterscheidung, an der viele Werbeversprechen scheitern: die zwischen mykologischer und kompletter Heilung. Ein Lack kann nach sechs Monaten bei über 70 Prozent der Anwender den Pilznachweis negativ machen (mykologische Heilung), aber nur bei rund 6 bis 9 Prozent zu einem wieder komplett gesunden Nagel führen. Genau dieser Abstand ist der Grund, warum die Stiftung Warentest die Lacke skeptischer bewertet, als es die Werbung vermuten lässt.

Was bei leichtem Befall infrage kommt

Die folgenden drei Mittel sind für die Selbstbehandlung geeignet - aber nur bei leichtem Befall (bis zu drei Nägel, weniger als die Hälfte eines Nagels, Nagelwurzel frei). Alle sind apothekenpflichtig, also rezeptfrei, aber nur über die Apotheke oder Versandapotheke erhältlich. Wenn der Selbstcheck oben "zum Arzt" ergab, sparen Sie sich das Geld.

Von Stiftung Warentest empfohlen Canesten EXTRA Nagelset | Nagelpilz | Erfolge in 1-2 Wochen | 5x schneller als Lacke | 98% zufriedene Anwender | weltweite Nr. 1 bei Pilzinfektionen | Komplett-Set

Canesten Extra Nagelset

Für stark verdickte, deutlich befallene Nägel

32,66 € 39,97 € (-18%)

Eines von nur zwei rezeptfreien Mitteln, die die Stiftung Warentest empfiehlt. Der Harnstoff (40 Prozent) löst befallenes Nagelmaterial schmerzfrei ab, das Antimykotikum Bifonazol bekämpft den Pilz. Apothekenpflichtig, rund 33 Euro (Stand: Juli 2026).

  • Stärke: Laut IQWiG rund 51 von 100 Anwendern drei Monate nach der Behandlung pilzfrei - kombiniert Wirkstoff und Nagelablösung im Set.
  • Besonderheit: Sinnvoll vor allem, wenn der Nagel bereits dick und krümelig ist und ein dünner Lack nicht mehr durchdringt.
  • Einschränkung: Der Amazon-Produkttext ("Erfolge in 1 bis 2 Wochen", "5x schneller als Lacke") ist Herstellerwerbung, kein Heilungsbeleg - die Therapie dauert Monate. Öko-Test wertete die Hilfsstoffe wegen Mineralöl-Spuren (MOAH) ab.
Stärkste Studienlage unter den Lacken Ciclopoli gegen Nagelpilz, bei Pilzerkrankungen der Nägel, Anti-Pilz-Nagellack mit bewährtem Wirkstoff Ciclopirox und Tiefwirk-Effekt, nur 1x täglich auftragen, 6.6 ml

Ciclopoli gegen Nagelpilz

Für leichten bis mäßigen Befall ohne Verdickung

35,90 €

Wirkstoffhaltiger Nagellack mit Ciclopirox in wasserlöslicher Basis: nur einmal täglich, kein Feilen nötig. Von der Fachleitlinie bei leichtem Befall empfohlen. Apothekenpflichtig, rund 35 Euro (Stand: Juli 2026).

  • Stärke: In einer Vergleichsstudie über 48 Wochen komplette Heilung bei 35 Prozent gegenüber 11,7 Prozent unter Amorolfin; laut IQWiG rund 30 von 100 nach einem Jahr pilzfrei (ohne Behandlung etwa 10).
  • Besonderheit: Die wasserlösliche Formulierung haftet anders als klassische Lacke und muss nicht abgefeilt werden.
  • Einschränkung: Die Vergleichsstudie war herstellerfinanziert. Die Stiftung Warentest bewertete Ciclopirox-Lacke nur "mit Einschränkung geeignet" - die Wirksamkeit müsse besser belegt werden. Günstige Ciclopirox-Generika nutzen eine ältere, nicht wasserlösliche Lackbasis.
Preis-Tipp: Generikum Amorolfin STADA 5% wirkstoffhaltiger Nagellack, bewährter Wirkstoff zur äußerlichen Behandlung von Nagelpilz, mit 30 Tupfern, 30 Feilen und 10 Spateln - 1 x 3 ml

Amorolfin STADA 5 Prozent Nagellack

Für leichten Befall, wer nicht den Markenaufschlag zahlen will

15,71 € 16,17 € (-3%)

Wirkstoff- und konzentrationsgleich zum Markenlack Loceryl - nur einmal pro Woche auftragen. Rund 16 Euro gegenüber gut 33 Euro für Loceryl bei identischer Zusammensetzung (Stand: Juli 2026). Apothekenpflichtig.

  • Stärke: Sauberer Preisvorteil gegenüber der Marke bei exakt gleichem Wirkstoff Amorolfin in gleicher Konzentration - hier zahlen Sie für den Namen, nicht für die Wirkung.
  • Besonderheit: Nur eine Anwendung pro Woche, dadurch alltagstauglich über die lange Therapiedauer.
  • Einschränkung: Auch Amorolfin-Lacke bewertete die Stiftung Warentest nur "mit Einschränkung geeignet". Die Leitlinie stützt den Einsatz bei leichtem Befall - erwarten Sie aber keine schnelle Heilung.

Marke gegen Generikum: bis zu doppelter Preis für denselben Wirkstoff

Wer zum wirkstoffgleichen Generikum greift, spart oft die Hälfte. Das klarste Beispiel ist Amorolfin: Der Markenlack Loceryl kostet rund 33 Euro für 5 Milliliter, das Generikum Amorolfin STADA rund 16 Euro für 3 Milliliter - identischer Wirkstoff, identische Konzentration. Beim Wirkstoff Ciclopirox ist der Vergleich weniger sauber: Die günstigen Generika für 14 bis 17 Euro enthalten zwar denselben Wirkstoff in gleicher Stärke, nutzen aber eine ältere, nicht wasserlösliche Lackbasis, die abgefeilt werden muss. Der Markenlack Ciclopoli punktet hier mit der wasserlöslichen Formulierung, nicht mit dem Wirkstoff. Fragen Sie in der Apotheke gezielt nach dem wirkstoffgleichen Generikum - der Preisunterschied ist erheblich, die Wirkung dieselbe.

Teure Sackgassen: Laser, Teebaumöl und Hausmittel

Rund um den Nagelpilz hat sich ein Markt an Angeboten gebildet, deren Nutzen nicht belegt ist - manche davon teuer.

Laser-Behandlung. Wird in Fußpflege-Studios und Praxen als Selbstzahlerleistung angeboten. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertete sie am 22. Oktober 2025 mit "unklar": Über ein Jahr zeigte sich kein Unterschied zwischen Laser, Scheinbehandlung und gar keiner Behandlung. Drei Sitzungen kosten rund 320 Euro - aus eigener Tasche.

Teebaumöl und Hausmittel. Essig, Teebaumöl, Backpulver oder Knoblauch kursieren als Geheimtipps, samt Versprechen wie "Nagelpilz heilen in zwei Stunden". Eine belastbare Studienlage, die eine echte Heilung des Nagelpilzes belegt, gibt es dafür nicht. Sie riskieren vor allem verlorene Zeit, in der sich der Pilz weiter ausbreitet.

Reine Nagelöle und Pflege-Sets. Kosmetische Öle pflegen den Nagel, enthalten aber kein Antimykotikum. Sie können ein wirksames Mittel nicht ersetzen. Ein farbiger Nagellack darüber überdeckt den Pilz nur optisch - unter dichtem Lack kann sich der Pilz sogar wohler fühlen.

Durchhalten und den Rückfall verhindern

Selbst mit dem richtigen Mittel ist die häufigste Ursache für ein Therapieversagen simpel: zu früh aufgehört. Der Nagel muss vollständig gesund herauswachsen, und das dauert am großen Zeh 12 bis 18 Monate. Wer nach ein paar Wochen keinen Effekt sieht und absetzt, verliert die ganze Investition. Drei Dinge senken das Rückfallrisiko:

  • Fußpilz immer mitbehandeln. Nagelpilz und Fußpilz treten meist gemeinsam auf und stecken sich gegenseitig an. Eine Antipilz-Creme für die Haut zwischen den Zehen gehört zur Behandlung dazu.
  • Socken und Handtücher bei 60 Grad waschen. Niedrigere Temperaturen töten die Pilzsporen nicht zuverlässig. Ein Hygienespüler hilft, wenn 60 Grad nicht möglich sind.
  • Schuhe desinfizieren und lüften. In getragenen Schuhen überleben Sporen. Antimykotische Schuhsprays und wechselndes, atmungsaktives Schuhwerk beugen der Reinfektion vor. In Schwimmbad und Sauna nicht barfuß laufen.
  • Füße trocken halten und Werkzeug trennen. Pilze lieben Feuchtigkeit - Füße nach dem Duschen gründlich abtrocknen, auch zwischen den Zehen, und Baumwollsocken täglich wechseln. Benutzen Sie für befallene Nägel eine eigene Schere oder Feile und desinfizieren Sie sie, damit Sie den Pilz nicht auf gesunde Nägel übertragen.

Was Sie sich sparen können: das operative Ziehen des Nagels. Diese früher übliche, schmerzhafte Methode gilt heute als überholt - die medikamentöse Behandlung, bei verdicktem Nagel kombiniert mit der atraumatischen Ablösung durch ein Harnstoff-Set, ist ebenso wirksam und deutlich schonender.

Weiße Baumwollsocken in der offenen Trommel einer Waschmaschine

Häufige Fragen

Was hilft zu 100 Prozent gegen Nagelpilz?
Ein Mittel mit 100 Prozent Erfolg gibt es nicht. Die höchste Heilungsrate hat oral eingenommenes Terbinafin mit rund 76 von 100 Behandelten nach einem Jahr, bei einer zweiten Therapierunde bis zu 94 Prozent. Es ist verschreibungspflichtig und für schwere Fälle gedacht.

Was ist der größte Fehler bei Nagelpilz?
Gleich zwei: ohne gesicherte Diagnose loszubehandeln (die Hälfte ist kein Pilz) und die Behandlung zu früh abzubrechen. Der Nagel muss über Monate gesund herauswachsen - sichtbare Besserung heißt nicht, dass der Pilz weg ist.

Kann man Nagelpilz mit normalem Nagellack behandeln oder überdecken?
Nein. Normaler oder farbiger Nagellack enthält keinen Wirkstoff und überdeckt den Pilz nur optisch. Unter einer dichten Lackschicht kann sich der Pilz sogar besser vermehren. Zur Behandlung braucht es einen wirkstoffhaltigen Antipilz-Lack.

Was tun bei Nagelpilz in Schwangerschaft und Stillzeit?
Nicht selbst behandeln. Viele Wirkstoffe, besonders Tabletten, sind in Schwangerschaft und Stillzeit nicht zugelassen. Klären Sie die Behandlung ärztlich ab.

Ist Nagelpilz ansteckend?
Ja. Er überträgt sich über Hautschuppen, etwa auf Gemeinschaftsböden in Schwimmbad, Sauna oder Dusche, über gemeinsam genutzte Handtücher und über Fußpilz. Deshalb gehören Fußpilz-Mitbehandlung und Hygiene zur Therapie.

Können Kunstnägel oder Gel-Nägel Nagelpilz auslösen?
Sie erhöhen das Risiko: Unter der luftdichten Modellage entsteht ein feuchtwarmes Milieu, und kleine Verletzungen der Nagelhaut sind Eintrittspforten. Bei bestehendem Nagelpilz sollte auf Kunstnägel verzichtet werden.

Wie erkenne ich Nagelpilz?
Typisch sind eine weißlich-gelbe bis bräunliche Verfärbung, ein verdickter Nagel, eine krümelige oder brüchige Struktur und eine Ablösung vom Nagelbett, die meist am vorderen oder seitlichen Rand beginnt. Diese Zeichen sind aber nicht eindeutig - dieselben Symptome haben auch Schuppenflechte oder ein Nageltrauma. Sicherheit gibt nur die Laboruntersuchung.

Zahlt die Krankenkasse die Behandlung?
Die ärztliche Diagnose und verschreibungspflichtige Tabletten sind in der Regel Kassenleistung. Rezeptfreie Lacke und Sets zahlen Erwachsene meist selbst. Die Laser-Behandlung ist eine individuelle Gesundheitsleistung und wird nicht erstattet - laut IGeL-Monitor ist ihr Nutzen zudem unklar.

Bekomme ich die wirksamen Mittel bei dm oder Rossmann?
Nein. Die im Test empfohlenen Wirkstoff-Mittel sind apothekenpflichtige Arzneimittel und damit nur in der Apotheke oder Versandapotheke erhältlich. Was in der Drogerie steht, sind die frei verkäuflichen Medizinprodukte, die im Test durchfielen.

Fazit der Redaktion

Nagelpilz ist behandelbar - aber nur mit dem richtigen Wirkstoff und viel Geduld, nicht mit einem Zehn-Euro-Stift aus der Drogerie. Der Testbefund ist eindeutig: Von 33 Mitteln taugen sechs, und die frei verkäuflichen Produkte gehören nicht dazu. Unser Rat in drei Schritten: Erstens die Diagnose sichern lassen, denn die Hälfte der Fälle ist gar kein Pilz. Zweitens bei leichtem Befall zu einem wirkstoffhaltigen Lack oder dem Bifonazol-Harnstoff-Set aus der Apotheke greifen - und beim Generikum sparen, statt für den Markennamen zu zahlen. Drittens bei mehr als drei Nägeln, halbem Nagel, Befall der Nagelwurzel oder Diabetes zum Arzt gehen, wo eine Tablettentherapie die deutlich höheren Heilungschancen bietet. Und dann durchhalten: Der gesunde Nagel braucht über ein Jahr, bis er nachgewachsen ist.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.