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Wenn das Licht ausgeht, schlägt die Stunde der Notstromaggregate. Doch wie lange liefert der Retter in der Not tatsächlich Energie? Die Antwort entscheidet im Ernstfall darüber, ob nur der Kühlschrank kalt bleibt oder ob das gesamte Haus tagelang autark funktioniert. Wir klären auf, wie lange Tank und Technik wirklich durchhalten – und welche Wartungsfehler die Lebensdauer dramatisch verkürzen.
Laufzeit vs. Lebensdauer: Eine wichtige Unterscheidung
Wer fragt „Wie lange hält ein Notstromaggregat?“, stellt eigentlich zwei verschiedene Fragen, die wir getrennt betrachten müssen, um eine verlässliche Aussage für Ihre Krisenvorsorge zu treffen:
- Die Autonomiezeit (Laufzeit pro Tank): Wie viele Stunden liefert das Gerät am Stück Strom, bevor Sie Kraftstoff nachfüllen müssen?
- Die technische Lebensdauer: Wie viele Jahre oder Betriebsstunden hält der Motor insgesamt, bevor er verschlissen ist und ersetzt werden muss?
Beide Faktoren sind kritisch. Ein Gerät mit riesigem Tank nützt nichts, wenn der Motor nach 50 Stunden Dauerlast den Geist aufgibt. Umgekehrt hilft ein langlebiger Industriemotor wenig, wenn der Tank alle 90 Minuten leer ist und Sie nachts aufstehen müssen, um nachzutanken.
MERK-BOX: Die 50%-Regel
Herstellerangaben zur Laufzeit beziehen sich fast immer auf eine Last von 50% oder 75%. Wenn Sie Ihr Aggregat an der Leistungsgrenze betreiben (z.B. Heizlüfter und Herdplatten gleichzeitig), kann sich die angegebene Laufzeit fast halbieren. Kalkulieren Sie für den Ernstfall immer konservativ!
Die Laufzeit – Wie lange reicht der Tank?
Die Laufzeit eines Generators wird durch eine einfache physikalische Gleichung bestimmt: Tankinhalt geteilt durch Verbrauch. Doch der Verbrauch ist variabel. Er hängt maßgeblich von der Art des Generators und der abgerufenen Last ab.
Benzin-Inverter: Die kompakten Leisen
Klassische Inverter-Generatoren (wie man sie vom Camping kennt) sind meist auf Sparsamkeit ausgelegt. Dank der Inverter-Technologie passt sich die Motordrehzahl der benötigten Leistung an.
- Typischer Tank: 4 bis 7 Liter.
- Typischer Verbrauch: ca. 0,5 bis 0,8 Liter pro Stunde im Teillastbereich.
- Erwartete Laufzeit: 5 bis 9 Stunden.
Unser Rat: Inverter sind ideal für empfindliche Elektronik (Laptops, Router, TV), da sie sauberen Sinus-Strom liefern. Für den Dauerbetrieb über 24 Stunden sind sie jedoch weniger geeignet, da sie oft Pausen zum Abkühlen benötigen.
Konventionelle Rahmen-Geräte (Benzin)
Diese Geräte sind lauter und robuster („Baustellen-Generatoren“). Sie laufen meist mit konstanter Drehzahl (3000 U/min).
- Typischer Tank: 15 bis 25 Liter.
- Typischer Verbrauch: 1,5 bis 2,5 Liter pro Stunde.
- Erwartete Laufzeit: 8 bis 12 Stunden.
Diesel-Aggregate: Die Dauerläufer
Dieselmotoren arbeiten effizienter als Ottomotoren. Ein Diesel-Aggregat holt aus einem Liter Kraftstoff mehr Kilowattstunden heraus.
- Typischer Tank: 15 bis über 50 Liter (bei stationären Geräten).
- Typischer Verbrauch: ca. 1,0 bis 1,8 Liter pro Stunde bei vergleichbarer Leistung (3-5 kW).
- Erwartete Laufzeit: 12 bis 24+ Stunden.
Akkuspeicher (Powerstations): Die neue Generation
Hier gibt es keinen Tank, sondern eine Kapazität in Wattstunden (Wh). Die „Laufzeit“ ist hier linear berechenbar.
Beispiel: Eine Powerstation mit 1000 Wh Kapazität kann ein Gerät mit 100 Watt Verbrauch theoretisch 10 Stunden lang betreiben (abzüglich ca. 15% Wechselrichter-Verlust).
| Aggregat-Typ | Ø Tankgröße | Verbrauch (Teillast) | Laufzeit (ca.) | Eignung Dauerbetrieb |
|---|---|---|---|---|
| Inverter (1-2 kW) | 4 Liter | 0,5 l/h | 8 Std. | Mittel |
| Rahmengerät Benzin (3-5 kW) | 25 Liter | 2,0 l/h | 12,5 Std. | Hoch |
| Diesel-Aggregat (5 kW) | 16 Liter | 1,2 l/h | 13+ Std. | Sehr Hoch |
| Powerstation (2 kWh) | – | – | Lastabhängig | Ideal für Indoor |
Die Lebensdauer – Wann ist der Motor am Ende?
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein billiges Aggregat aus dem Baumarkt für 200 Euro hat eine völlig andere Lebenserwartung als ein professionelles Gerät von Herstellern wie Honda, Endress oder SDMO.
Die 3000 U/min vs. 1500 U/min Regel
Das wichtigste technische Merkmal für die Lebensdauer ist die Drehzahl.
- Schnellläufer (3000 U/min): Fast alle tragbaren Benzin- und kleinen Dieselaggregate sind Schnellläufer. Sie sind leicht und kompakt, haben aber einen höheren Verschleiß.Lebenserwartung: 500 bis 2.000 Betriebsstunden.
Bei guter Pflege (regelmäßiger Ölwechsel) können hochwertige Motoren (z.B. Honda GX-Serie) auch 3.000 Stunden erreichen. Billige China-Klone geben oft schon nach 300 Stunden auf.
- Langsamläufer (1500 U/min): Diese Motoren finden sich meist in schweren, fest installierten Diesel-Notstromanlagen. Sie laufen ruhig und verschleißarm.Lebenserwartung: 10.000 bis 20.000+ Betriebsstunden.
Das entspricht bei einem täglichen Betrieb von 4 Stunden einer Lebensdauer von über 13 Jahren.
Batterie-Lebensdauer (Zyklen)
Bei Powerstations ist die Chemie entscheidend:
- Lithium-Ionen (NCM): Ca. 500 bis 800 Ladezyklen bis 80% Restkapazität.
- Lithium-Eisenphosphat (LiFePO4): Der neue Goldstandard. Ca. 3.000 bis 3.500 Zyklen. Das bedeutet: Selbst bei täglichem Entladen und Laden hält der Akku fast 10 Jahre.
MERK-BOX: Öl ist das Blut des Motors
Ein Notstromaggregat hat oft keinen Ölfilter wie ein Auto. Der Abrieb schwimmt im Öl. Ein erster Ölwechsel ist oft schon nach 20 Betriebsstunden fällig (Einfahrphase), danach alle 50 bis 100 Stunden. Wer das vergisst, riskiert einen Kolbenfresser lange vor dem Ende der eigentlichen Lebensdauer.
Faktoren, die die Haltbarkeit begrenzen
Selbst das beste Aggregat hält nicht ewig, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Zwei Feinde bedrohen Ihr Gerät besonders: Alternder Kraftstoff und falsche Lagerung.
Das Problem mit dem Benzin
Modernes Benzin (Super E5 oder E10) ist nicht lagerstabil. Es zieht Wasser aus der Luft (hygroskopisch) und bildet harzige Rückstände, die den Vergaser verstopfen. Nach 6 bis 12 Monaten Lagerung ist der Kraftstoff oft unbrauchbar.
Die Lösung:
- Alkylatbenzin (Gerätebenzin): Bekannt aus dem Forstbereich (z.B. Aspen 4). Es ist teurer (ca. 4-5 Euro/Liter), aber 3 bis 5 Jahre lagerfähig und verbrennt sauberer. Ideal, um das Aggregat darin „zu überwintern“.
- Kraftstoff-Stabilisatoren: Ein Additiv, das dem normalen Benzin beigemischt wird, um die Haltbarkeit auf ca. 24 Monate zu verlängern.
Die „Dieselpest“
Auch Diesel ist durch den Bio-Anteil anfällig. Bakterien und Pilze können sich im Tank bilden und den Kraftstoffilter verschlammen (Dieselpest). Bei Diesel-Aggregaten, die selten laufen, ist dies die Ausfallursache Nummer 1. Abhilfe schaffen hier spezielle Grotamar-Zusätze oder die Verwendung von Premium-Diesel ohne Bio-Anteil.
Wartung: So verlängern Sie das Leben Ihres Aggregats
Ein Notstromaggregat ist „High Maintenance“ – es braucht Aufmerksamkeit, auch wenn es nicht läuft. Ein Wartungsplan ist Pflicht.
1. Der monatliche Probelauf
Lassen Sie das Aggregat alle 1 bis 2 Monate für 15-20 Minuten laufen. Wichtig: Nicht im Leerlauf! Schließen Sie eine Last an (z.B. einen Heizlüfter auf halber Stufe). Dies verhindert Verharzungen im Vergaser, hält Dichtungen geschmeidig und treibt Kondenswasser aus dem Motorblock.
2. Die richtige Einlagerung
Wenn Sie das Gerät für längere Zeit stilllegen (z.B. über den Sommer):
- Entleeren Sie den Tank (oder füllen Sie ihn randvoll mit Alkylatbenzin).
- Lassen Sie den Motor laufen, bis er von selbst ausgeht (um den Vergaser zu leeren).
- Entfernen Sie die Zündkerze, geben Sie einen Teelöffel Öl in den Zylinder, ziehen Sie einmal langsam am Starterseil (verteilt das Öl) und schrauben Sie die Kerze wieder rein.
MERK-BOX: Gefahr durch Kohlenmonoxid
Haltbarkeit ist zweitrangig, wenn die Sicherheit fehlt. Notstromaggregate erzeugen tödliches Kohlenmonoxid. Betreiben Sie Verbrenner-Generatoren niemals in geschlossenen Räumen, Garagen oder Kellern – auch nicht bei offenem Tor! Das Gas ist geruchlos und tötet in Minuten. Installieren Sie CO-Melder in Wohnräumen.
Lohnt sich die Investition? Eine Kosten-Nutzen-Rechnung
Ein hochwertiges 2-kW-Inverter-Aggregat kostet ca. 800 bis 1.200 Euro. Ein günstiges Baumarktgerät ca. 300 Euro. Rechnet man die Lebensdauer dagegen:
- Billig-Gerät: 300 Euro / 500 Stunden = 0,60 Euro pro Betriebsstunde (Abschreibung).
- Marken-Gerät: 1000 Euro / 2500 Stunden = 0,40 Euro pro Betriebsstunde.
Das Markengerät ist auf Dauer günstiger und im Ernstfall zuverlässiger. Zudem ist die Ersatzteilversorgung bei Marken wie Honda oder Briggs & Stratton über Jahrzehnte gesichert, während man für No-Name-Produkte oft nach drei Jahren keine Ersatzteile mehr findet.
Fazit zur Haltbarkeit
Ein Notstromaggregat hält bei korrekter Pflege ein Leben lang – vorausgesetzt, „Leben“ bezieht sich auf die typischen Einsatzszenarien von wenigen Stunden pro Jahr. Wer jedoch eine autarke Hütte dauerhaft mit Strom versorgen will, für den ist ein benzingetriebener Notstromer die falsche Wahl; hier führt kein Weg an großen Diesel-Langsamläufern oder einer Photovoltaik-Inselanlage mit großen LiFePO4-Speichern vorbei.
Häufige Fragen (FAQ)
1. Kann ich mein Notstromaggregat auch mit Heizöl betreiben?
Technisch ist dies bei vielen älteren Diesel-Aggregaten möglich, da Heizöl und Diesel chemisch sehr ähnlich sind. Moderne Motoren mit feinen Einspritzdüsen und Abgasreinigung können jedoch Schaden nehmen. Zudem ist es steuerrechtlich verboten, Heizöl in mobilen Maschinen zu nutzen (Steuerhinterziehung), im reinen stationären Notstrom-Betrieb gibt es jedoch Ausnahmeregelungen. Klären Sie dies mit dem Hersteller und dem Zoll.
2. Wie laut ist ein Notstromaggregat im Dauerbetrieb?
Offene Rahmengeräte erreichen 95-100 dB(A), was extrem laut ist (Presslufthammer-Niveau). Gekapselte Inverter liegen oft bei 55-65 dB(A) in 7 Metern Entfernung (Unterhaltungslautstärke). Im dicht besiedelten Wohngebiet sind gekapselte Inverter fast alternativlos, um Nachbarschaftsstreit zu vermeiden.
3. Darf das Aggregat im Regen stehen?
Nein. Die meisten Geräte haben Schutzart IP23 (sprühwassergeschützt), aber Strom und Wasser sind eine tödliche Kombination. Das Gerät muss trocken stehen, aber gut belüftet sein (wegen der Abgase). Bauen Sie einen Unterstand oder nutzen Sie spezielle Abgasschläuche, um das Gerät draußen geschützt aufzustellen.
4. Was passiert, wenn ich das Aggregat überlaste?
Gute Geräte haben einen Überlastschutz und schalten den Strom ab, während der Motor weiterläuft. Billige Geräte können bei Überlast die Spannung unkontrolliert absenken oder Spannungsspitzen erzeugen, was angeschlossene Geräte zerstören kann.
5. Kann ich empfindliche Geräte wie Laptops anschließen?
Nur an Inverter-Generatoren oder Powerstations. Konventionelle Rahmengeräte („AVR-Regelung“) haben oft Spannungsschwankungen („unsauberer Strom“), die Netzteile von Computern oder Steuerungen von modernen Heizungen beschädigen können.
6. Wie lange kann ich Benzin im Kanister lagern?
In geeigneten Metall- oder zugelassenen Kunststoffkanistern: Normales Benzin ca. 6-12 Monate (luftdicht). Diesel ca. 6 Monate (wegen Bio-Anteil). Jährliche Rotation des Vorrats (in das Auto tanken, neu kaufen) ist die beste Strategie.
7. Brauche ich eine Erdung?
Ja. Für den sicheren Betrieb ist eine Erdung (z.B. Erdspieß im Boden, verbunden mit dem Erdungsanschluss des Generators) oft vorgeschrieben, besonders wenn mehrere Geräte über Verteilersteckdosen angeschlossen werden. Beachten Sie unbedingt die Bedienungsanleitung.
8. Startet das Aggregat auch bei Kälte?
Dieselaggregate haben im Winter Probleme („Versulzen“ des Diesels). Hier ist Winterdiesel nötig. Benzinmotoren starten meist gut, sofern die Batterie (beim E-Start) geladen ist. Seilzugstarter funktionieren immer, erfordern bei kaltem, zähem Öl aber Kraft.
9. Kann ich das Aggregat in mein Hausnetz einspeisen?
Das ist technisch möglich, aber gefährlich und genehmigungspflichtig. Es darf nur durch einen Elektriker mittels eines „Einspeisesteckers“ und eines manuellen Netzumschalters (Trennung vom öffentlichen Netz) installiert werden. Bastellösungen mit „Schuko-auf-Schuko“-Steckern sind lebensgefährlich und verboten.
10. Was ist besser: Benzin oder Gas (LPG/Propangas)?
Dual-Fuel-Generatoren können beides. Gas hat den riesigen Vorteil, dass es fast unbegrenzt lagerfähig ist und nicht verharzt. Zudem sind die Abgase etwas sauberer und der Motor läuft oft ruhiger. Für die Notvorsorge ist Gas wegen der Lagerfähigkeit dem Benzin überlegen.






