Ein E-Bike, das aussieht wie ein Mofa aus den Siebzigern, 999 Euro kostet und trotzdem ohne Führerschein, Kennzeichen und Helmpflicht gefahren werden darf. Auf dem Papier klingt das EVERCROSS EK20 fast zu günstig, um gut zu sein - ein deutsches Durchschnitts-E-Bike kostet das Zweieinhalbfache. Wir sind das Rad fünf Wochen und rund 400 Kilometer im Alltag gefahren: zur Arbeit, zum Einkaufen, bei Sonne und Regen. Das Ergebnis hat uns positiv überrascht - und an ein paar Stellen daran erinnert, warum dieses Rad nur 999 Euro kostet.
Transparenz
Das Testgerät wurde uns von EVERCROSS kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt. Geld ist nicht geflossen, inhaltliche Vorgaben gab es nicht, und der Hersteller hat diesen Text vor der Veröffentlichung nicht gesehen.
Unser Testurteil
Das EVERCROSS EK20 ist eine echte Preis-Leistungs-Überraschung: der größte Akku der 1.000-Euro-Klasse (748,8 Wh, herausnehmbar und abschließbar), Fahrkomfort weit über der Preisklasse, Sitzverlängerung und Fußrasten für einen Mitfahrer - und als Pedelec völlig legal ohne Kennzeichen unterwegs. Real fährt es 36 bis 51 Kilometer weit - klassenüblich ehrlich statt der beworbenen 110. Kauftipp für alle, die im flachen bis leicht hügeligen Stadtgebiet ein bequemes, auffälliges Kurzstreckenrad suchen und kleine Einstellarbeiten nicht scheuen.
Die Marke hinter dem Preis: EU-Lager statt Zollrisiko
EVERCROSS ist eine junge Marke der Elektromobilität - seit 2020 registriert, mit Wurzeln in Shenzhen und einem Sortiment von ABE-zertifizierten E-Scootern über E-Bikes bis zu Kinderfahrzeugen. Verkauft wird mehrgleisig: über den eigenen EU-Shop, Amazon und inzwischen auch über Saturn, MediaMarkt und Otto. Für die straßenzugelassenen E-Scooter der Marke gibt es mit der WeRoll Tech GmbH aus Willich bei Krefeld sogar einen deutschen Vertriebspartner - bei Direktversender-Marken keine Selbstverständlichkeit.
Recherche-Fakten
- Akku-Bestwert: Mit 748,8 Wattstunden hat das EK20 den größten Akku aller 20-Zoll-Fatbikes bis 1.100 Euro - die Konkurrenz bietet 522 bis 720 Wattstunden.
- Preis-Einordnung: Ein E-Bike kostete in Deutschland 2025 laut Zweirad-Industrie-Verband im Schnitt 2.550 Euro - das EK20 liegt mit 999,99 Euro bei 39 Prozent davon.
- Zoll-Hintergrund: Die EU erhebt auf E-Bikes aus China Anti-Dumping- und Ausgleichszölle von bis zu 79,3 Prozent; Direktversender montieren deshalb in EU-Lagern - Käufer zahlen dadurch weder Zoll noch Einfuhrumsatzsteuer nach.
- Deutschland-Vertrieb: Die ABE-zertifizierten E-Scooter der Marke vertreibt hierzulande die WeRoll Tech GmbH aus Willich bei Krefeld (HRB 18314, Amtsgericht Krefeld).
- Markenalter: Als Endkundenmarke ist EVERCROSS seit Januar 2020 registriert - angemeldet von der Shenzhen Yun Tongda Technology & Service Co., Ltd.
International hat die Moped-Linie der Marke bereits Fans gefunden. Französische Tester bescheinigten dem Schwestermodell EK30 ein "hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis" und eine "schöne Verarbeitung" (le-velo-urbain.com, 2024), das Magazin gymstreet.fr vergab Anfang 2026 die Note 16 von 20, ein polnischer Videotest taufte das Rad liebevoll "unseren elektrischen Harley". Ein italienischer Videotest führt das EK20 schon im Titel als "Moped E-Bike for Two", und im EVERCROSS-Shop schreibt ein Käufer aus einer italienischen Berggegend, das Rad sei ihm "wirklich eine große Hilfe - ab und zu leiht es sich sogar mein Nachbar für eine Runde aus". Genau diesen Effekt kennen wir nach fünf Wochen: Kaum ein Testgerät hat so viele Nachfragen aus der Nachbarschaft produziert.
Lieferung und Aufbau: gut verpackt, in 90 Minuten fahrbereit
Das EK20 kommt per Spedition - bei uns mit dem Logistiker GEL - in einem Karton mit der ehrlichen Aufschrift "Caution: Heavy object. Team lift required". Zu zweit anpacken lohnt sich tatsächlich. Im Karton liegt das Rad zu gut 80 Prozent vormontiert und großzügig in Schaumstoff gebettet; unser Exemplar kam ohne einen Kratzer an. Das ist erwähnenswert, weil Transportschäden in Kundenrezensionen dieser Geräteklasse immer wieder auftauchen - die Verpackung des EK20 macht ihren Job.

Zur Selbstmontage bleiben Lenker, Pedale, Frontgepäckträger und Scheinwerfer - Werkzeug liegt bei, die deutschsprachige Anleitung ist verständlich, auch wenn die Fotos klein geraten sind. Wir waren inklusive Auspacken nach gut anderthalb Stunden fahrbereit. Zwei Handgriffe sollte man einplanen: Die vordere Scheibenbremse schliff bei unserem Gerät ab Werk und musste nachjustiert werden - zehn Minuten mit dem Inbusschlüssel, derselbe Befund wie im Praxistest von special-e.de. Und die Reifen kamen mit 0,9 bar an; für Asphalt sind eher 1,5 bar sinnvoll, das spart spürbar Kraft und Reichweite. Solche Einstellarbeiten gehören bei Direktversendern zum Programm - wer sie nicht selbst machen mag, plant eine halbe Stunde beim Schrauber des Vertrauens ein.
Technik im Detail: ehrlicher Akku, robuste Gussfelgen, einfache Komponenten
Die Tabelle zeigt, was der Hersteller verspricht und was wir am Testgerät gemessen oder überprüft haben:
| Merkmal | Herstellerangabe | Unser Testgerät |
|---|---|---|
| Motor | 250 W Heck-Nabenmotor, bürstenlos | Bestätigt; zieht bis etwa 20 km/h kräftig, darüber gemächlich |
| Akku | 48 V / 15,6 Ah (748,8 Wh), herausnehmbar | Bestätigt; 4,6 kg, abschließbar, Ladebuchse am Rahmen |
| Reichweite | 55-100 km, Amazon-Titel: "bis 110 km" | 36-51 km gemessen, Eco-Hochrechnung rund 65 km |
| Ladezeit | 7-8 Stunden | 7 Stunden 40 Minuten (leer bis voll, 2-A-Ladegerät) |
| Gewicht | Keine Angabe | 42 kg fahrfertig mit Akku (gewogen) |
| Zuladung | 150 kg (Shop) bzw. 120 kg (Amazon-Listing) | Widersprüchlich - wir rechnen konservativ mit 120 kg |
| Bremsen | "Doppelscheibenbremsen" | Mechanische Scheibenbremsen vorn und hinten; vorn ab Werk nachjustiert |
| Schaltung | "7-Gang Shimano" | Einstiegsklasse (Tourney-Niveau), Daumenschalter, läuft zuverlässig |
| Räder | 20 x 4,0 Zoll Fatbike-Bereifung | Bestätigt; Aluminium-Gussfelgen statt Speichen |
| Fahrstufen | Drei Unterstützungsstufen plus 6-km/h-Schiebehilfe | Bestätigt; Stufe 1 bis 3 über das Display wählbar |
| Soziusbetrieb | Lange Sitzbank im Zweisitzer-Layout | Sitzverlängerung und Fußrasten vorhanden - Mitnahme nach § 21 Abs. 3 StVO zulässig |
| Ausstattung | Multifunktionsdisplay, App, NFC-Entsperrung | Alles vorhanden und funktionsfähig |
Drei Dinge verdienen Übersetzung aus dem Datenblatt-Deutsch. Erstens die Schaltung: "7-Gang Shimano" bezeichnet die unterste Shimano-Klasse - keine Präzisionsmechanik, aber bewährte Massentechnik, die jede Fahrradwerkstatt kennt und deren Ersatzteile ein paar Euro kosten. In fünf Wochen hat sie zuverlässig geschaltet; nur der siebte Gang brauchte anfangs eine Nachjustage der Zugspannung. Zweitens die Bremsen: Mechanische Scheibenbremsen brauchen mehr Handkraft als hydraulische und wollen gelegentlich nachgestellt werden - dafür kann man sie unterwegs mit einem Inbusschlüssel selbst warten. Für gemütliches Stadttempo reichen sie; bei Nässe gilt wie bei jedem schweren Rad: früher bremsen.
Drittens eine Konstruktionsentscheidung, die uns positiv überrascht hat: Statt Drahtspeichen, die bei Heckmotor-Kleinrädern als klassische Schwachstelle gelten, fährt das EK20 auf Aluminium-Gussfelgen. Gebrochene Speichen - das häufigste Verschleißthema dieser Geräteklasse - fallen damit konstruktiv weg. Zusammen mit Federgabel, Zentralfederbein und den dicken 4-Zoll-Reifen ergibt das einen Fahrkomfort, den internationale Tester der Moped-Reihe übereinstimmend loben: Kopfsteinpflaster, Bordsteinkanten und Schotterwege verlieren ihren Schrecken.

Fahrgefühl: Mofa-Charme mit Tretpflicht
Das EK20 fährt sich nicht wie ein Fahrrad, sondern wie ein Mofa, auf dem man tritt - und genau das ist sein Charme. Der Motor reagiert auf einen Kadenzsensor: Er registriert, dass gekurbelt wird, und schiebt dann je nach gewählter Stufe konstant mit. Nach etwa einer halben Pedalumdrehung setzt der Schub ein. Wer das fein dosierte Fahrgefühl eines teuren Mittelmotors erwartet, merkt den Unterschied; wer entspannt durch die Stadt rollen will, hat sich nach zwei Fahrten daran gewöhnt und genießt das souveräne, gleichmäßige Schieben. Die breite Sitzbank, die aufrechte Haltung und der tiefe Schwerpunkt machen das Rad dabei angenehm gutmütig - auch auf Sand und Schotter bleibt es satt in der Spur.
Die lange Sitzbank ist bequem, aber nicht höhenverstellbar - pedaliert wird mit angewinkelten Knien, eher Mofa- als Rennradhaltung. Für Fahrer zwischen 1,60 und 1,85 Meter passt das gut; wer größer ist, sitzt gedrungen - ein Punkt, den auch internationale Käufer anmerken. Oberhalb von 25 km/h regelt der Motor gesetzeskonform ab, und ohne Unterstützung bewegt man 42 Kilo Rad freiwillig nicht schnell - das EK20 ist ein Cruiser, kein Sportgerät. Die 6-km/h-Schiebehilfe ist im Alltag nützlicher als gedacht, etwa an der Tiefgaragenrampe.
Die Bedienung ist in fünf Minuten gelernt: Das Multifunktionsdisplay am Lenker zeigt Tempo, Akkustand, Tagesstrecke und die gewählte Unterstützungsstufe, durchgeschaltet wird über Tasten direkt daneben - das klappt auch mit Handschuhen und bleibt bei Sonne ablesbar. Die Smartphone-App koppelt per Bluetooth und spiegelt Fahrdaten und Einstellungen; sie ist, wie es der Kollege von special-e.de treffend formuliert, "eher funktional als luxuriös" - alles Wichtige geht ohnehin direkt am Lenker. Echten Alltagswert hat dagegen die NFC-Entsperrung: Karte ans Lesefeld halten, Rad ist fahrbereit. Im Test funktionierte das zuverlässig, und ohne Karte oder App bleibt der Motor gesperrt - keinen Diebstahlschutz ersetzt das nicht, aber es macht das Rad für Gelegenheitsdiebe unattraktiver.

Und dann ist da die Frage, die die Optik aufdrängt: Darf man zu zweit fahren? Beim EK20 lautet die Antwort tatsächlich ja - und das ist in der Pedelec-Welt eine kleine Sensation. § 21 Abs. 3 StVO erlaubt die Personenmitnahme nur auf Fahrrädern, die "zur Personenbeförderung gebaut und eingerichtet" sind, und genau so ist das EK20 ausgelegt: mit Sitzverlängerung und Fußrasten für den Mitfahrer. Der Fahrer muss mindestens 16 Jahre alt sein; Kinder unter sieben gehören weiterhin in einen Kindersitz mit Speichenschutz. Die praktische Grenze setzt die Zuladung von 120 bis 150 Kilogramm: Neben einem 85-Kilo-Fahrer bleibt Platz für einen leichten Mitfahrer, nicht für einen zweiten Schwergewichtigen samt Wocheneinkauf. Und zu zweit gilt erst recht: vorausschauend bremsen - das Mehrgewicht spüren die mechanischen Scheibenbremsen deutlich.
Reichweite und Akku: der größte Energiespeicher der Klasse
Beim Akku spart das EK20 nicht: 48 Volt und 15,6 Amperestunden ergeben 748,8 Wattstunden - mehr bietet kein direkter Konkurrent unter 1.100 Euro. Der Akku sitzt abschließbar im Rahmen, lässt sich mit einem Handgriff entnehmen und in der Wohnung laden; mit 4,6 Kilo trägt er sich erträglich. Unsere Messungen nach fünf Wochen: In der mittleren Stufe 2 von 3, mit 85-Kilo-Fahrer, 1,5 bar Reifendruck und flachem Stadtprofil war der Akku nach 51 Kilometern leer - das entspricht sparsamen 14,7 Wh pro Kilometer. In Stufe 3, zügig gefahren mit Stop-and-go, waren es 36 Kilometer. In Stufe 1, geduldig bewegt, kommt man rechnerisch auf etwa 65 Kilometer.
Damit ist das EK20 ehrlich klassenüblich unterwegs: Der einzige weitere deutsche Praxistest (special-e.de) landete bei "mindestens 45 Kilometern", ein britischer Nutzer des Schwestermodells EK30 berichtet von über 80 Kilometern bei sparsamster Fahrweise. Nur die "bis 110 Kilometer" aus dem Amazon-Titel sollten Sie als das lesen, was sie sind: ein Laborwert unter Idealbedingungen, den im Alltag kein Rad dieser Klasse erreicht. Für sitzende Elektroroller haben wir in unserem Elektroroller-Ratgeber die 30-Prozent-Faustregel etabliert - bei E-Bike-Werbeangaben darf man gedanklich eher die Hälfte abziehen. Entscheidend ist: 36 bis 51 echte Kilometer decken den Alltag der allermeisten Stadtfahrer locker ab, und nach Feierabend hängt der Akku einfach an der Steckdose im Flur.
Rechnen Sie Ihre persönliche Reichweite selbst durch:
Geladen wird mit einem 2-Ampere-Netzteil in 7 Stunden 40 Minuten von leer auf voll - über Nacht also. Eine Vollladung kostet beim aktuellen Strompreis von 37 Cent pro Kilowattstunde etwa 30 Cent; selbst Vielfahrer kommen so auf Stromkosten von gut einem Euro pro 100 Kilometer. Den Original-Ersatzakku listet EVERCROSS für faire 209,99 Euro - zum Testzeitpunkt war er allerdings ausverkauft. Wer das Rad viele Jahre fahren will, bestellt den Zweitakku am besten, sobald er wieder lieferbar ist: Generische 48-V-Akkus kosten mit 330 bis 550 Euro deutlich mehr und passen nicht garantiert in Schacht und Elektronik.
Akku laden ohne Brandrisiko
Die meisten E-Bike-Akkubrände entstehen laut Institut für Schadenverhütung (IFS) in der Ladephase. Laden Sie deshalb nur mit dem Original-Ladegerät, auf nicht brennbarer Unterlage, in einem Raum mit Rauchmelder - und nicht unbeaufsichtigt über Nacht im Flur, der im Brandfall der Fluchtweg wäre. Beschädigte oder tiefentladene Akkus gehören nicht ans Netz, sondern zur Schadstoffsammlung; seit Oktober 2025 verpflichtet das Batterierecht-Durchführungsgesetz Hersteller und Handel zur kostenlosen Rücknahme.
Rechtslage: völlig legal als Fahrrad - ein unterschätztes Kaufargument
Die wichtigste Stärke des EK20 steht in keinem Datenblatt: Es ist in der EU-Version ein echtes Pedelec. Der Motor leistet 250 Watt Nenndauerleistung, unterstützt nur beim Treten, regelt bei 25 km/h ab, und die Schiebehilfe endet bei 6 km/h. Internationale Tester heben genau das als Kaufargument hervor - "stylisch und legal", urteilte ein polnischer Videotest. Es gilt:
Die Rechtsfolge
Ein Pedelec mit höchstens 250 Watt Nenndauerleistung, Motorabschaltung bei 25 km/h und Anfahrhilfe bis 6 km/h ist nach § 1 Abs. 3 StVG und § 63a StVZO kein Kraftfahrzeug, sondern rechtlich ein Fahrrad. Es braucht weder Führerschein noch Versicherungskennzeichen noch Helm - muss aber alle Fahrrad-Vorschriften der StVZO erfüllen, von der Beleuchtung mit K-Prüfzeichen bis zur helltönenden Klingel.
Der zweite Halbsatz ist die Pflichtaufgabe für jeden Direktimport-Käufer: Kontrollieren Sie vor der ersten Fahrt, ob Scheinwerfer und Rücklicht das deutsche K-Prüfzeichen tragen (eine Wellenlinie mit "K" und Nummer, meist seitlich aufgedruckt), ob eine Klingel montiert ist und ob der Reflektorensatz vollständig ist - vorn weiß, hinten rot, Pedale gelb, dazu Seitenreflektoren oder reflektierende Felgenstreifen. Was fehlt, rüsten Sie für unter 50 Euro nach. Das ist kein Pedanten-Tipp: Fehlende Ausstattung kostet 15 bis 35 Euro Verwarnungsgeld, und bei einem Dunkelheitsunfall kann nicht vorschriftsmäßige Beleuchtung eine Mithaftung begründen - selbst wenn der Autofahrer schuld war.
Eine Grenze sollten Sie dagegen nie ausreizen: Im Netz kursieren für viele Direktimport-Räder Entdrossel-Anleitungen per App oder Display-Trick.
Finger weg vom Entdrosseln
Beschleunigt der Motor das Rad ohne Treten über 6 km/h hinaus oder unterstützt er über 25 km/h, ist es kein Fahrrad mehr, sondern ein zulassungs- und versicherungspflichtiges Kraftfahrzeug - wer es ohne Haftpflichtversicherung fährt, begeht eine Straftat nach § 30 Abs. 1 PflVG mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe. Dazu kommen Fahren ohne Fahrerlaubnis (§ 21 StVG), mindestens 70 Euro Bußgeld wegen fehlender Betriebserlaubnis - und bei einem Unfall zahlt die private Haftpflichtversicherung nicht.
Was bedeutet das für Sie als Verbraucher?
Schäden, die Sie mit dem unveränderten EK20 verursachen, deckt Ihre private Haftpflichtversicherung - prüfen Sie nur, ob Sie eine haben. Gegen Diebstahl hilft die Hausratversicherung: aus dem verschlossenen Keller grundsätzlich, draußen vor dem Supermarkt nur mit Fahrradklausel, die typisch ein bis zwei Prozent der Versicherungssumme kostet; achten Sie bei E-Bikes auf die noch verbreitete Nachtzeitklausel zwischen 22 und 6 Uhr. Eine separate E-Bike-Versicherung kostet für ein Rad dieser Preisklasse rund 60 bis 75 Euro im Jahr und lohnt laut Finanztip ab etwa 1.200 Euro Radwert - beim 999-Euro-EK20 ist sie Geschmackssache. Ein gutes Schloss ist dagegen Pflicht.
Service und Garantie: der ehrliche Direktversender-Deal
Beim Service muss man wissen, was man kauft: Ein Direktversender hat kein Filialnetz - dafür kostet das Rad weniger als die Hälfte eines Händler-E-Bikes. EVERCROSS gewährt 24 Monate Garantie nach dem in der Branche üblichen Modell "Ersatzteil plus Einbau-Videoanleitung": Defekte Teile werden zugeschickt, montiert wird selbst oder beim Schrauber um die Ecke. Wer gern selbst Hand anlegt, fährt damit gut - im ersten Jahr sind die Teile kostenlos. Unsere eigene Erfahrung mit dem Hersteller-Support war positiv: Auf E-Mails kam binnen ein bis drei Tagen eine freundliche, deutschsprachige Antwort.
Erfahrungsberichte anderer Käufer zeichnen ein gemischtes Bild - von schnellen Kulanzlösungen (ein spanischer Käufer erhielt nach einem Antriebsdefekt am Schwestermodell unkompliziert eine Teilerstattung) bis zu zähen E-Mail-Schleifen bei komplizierteren Fällen. Wichtig zu wissen: Auf den Hersteller-Support sind Sie gar nicht allein angewiesen. Beim Kauf über Amazon oder einen Elektromarkt haben Sie zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung gegen den Verkäufer, in den ersten zwölf Monaten mit Beweislastumkehr zu Ihren Gunsten (§ 477 BGB) - und Amazons A-bis-z-Garantie erstattet bis 90 Tage nach Lieferung, wenn etwas schiefgeht. Einen Plan B für Reparaturen sollten Sie trotzdem haben: Nicht jede Fahrradwerkstatt nimmt Direktimport-Räder an. Ein Anruf vor dem Kauf klärt das in zwei Minuten.
Folgekosten: Strom ist fast geschenkt
| Posten | Kosten | Anmerkung |
|---|---|---|
| Strom pro Vollladung | ca. 0,30 Euro | 0,82 kWh inkl. Ladeverlust, 37 ct/kWh (BDEW, 2026) |
| Strom pro 100 km | 0,49-1,22 Euro | je nach Unterstützungsstufe |
| Ersatzakku original | 209,99 Euro | fairer Preis; Stand Juni 2026 ausverkauft, Verfügbarkeit beobachten |
| Ersatzakku generisch | 329-544 Euro | Passform und Elektronik-Kompatibilität nicht garantiert |
| Reifen 20 x 4,0 Zoll | 34-44 Euro/Stück | Standardformat, z. B. Kenda Krusade - gut verfügbar |
| Bremsbeläge | ab 8 Euro/Paar | Standardformat, Wechsel selbst machbar |
| Inspektion | 50-120 Euro | Werkstatt-Annahme vorher telefonisch klären |
Die Rechnung fällt freundlich aus: Der Betrieb kostet praktisch nichts, Verschleißteile wie Reifen, Schläuche, Kette und Beläge sind Standardware zu Kleinpreisen. Der einzige große Posten ist ein Akku-Ersatz nach einigen Jahren - deshalb unser Rat, den Original-Akku für 210 Euro zu sichern, solange er lieferbar ist.
Die Konkurrenz: vier Alternativen unter 1.300 Euro
| Modell | Preis (Juni 2026) | Akku | Einordnung gegenüber dem EK20 |
|---|---|---|---|
| EVERCROSS EK20 | 999,99 Euro | 748,8 Wh | Größter Akku der Klasse, Sozius-tauglich, Gussfelgen |
| Touroll S2 | 799 Euro | 720 Wh | 200 Euro günstiger, aber klassische Klapprad-Optik statt Moped-Format |
| Engwe EP-2 3.0 Boost | ca. 1.079 Euro | 624 Wh | Faltbar und mit Drehmomentsensor, dafür kleinerer Akku |
| Fafrees F20 Pro | ca. 1.099 Euro | 648 Wh | Mit 28 kg leichter, schmalere Reifen, klassische Sitzposition |
| ADO A20F Beast | ca. 1.300 Euro | 522 Wh | Feinstes Fahrgefühl dank Drehmomentsensor, aber 300 Euro teurer |
Die Einordnung fällt eindeutig aus: Wer das Moped-Format mit Sitzbank will - oder gar ein Pedelec, das legal zu zweit gefahren werden darf -, findet unter 1.700 Euro keine echte Alternative zum EK20 - vergleichbare Modelle wie das Himiway Escape Pro spielen eine Preisklasse höher. Wer dagegen ein faltbares Rad für den Kofferraum braucht, schaut beim Engwe; wer das natürlichste Fahrgefühl sucht, zahlt beim ADO 300 Euro mehr für den Drehmomentsensor. Beim Verhältnis von Akku zu Preis schlägt das EK20 alle vier.
Häufige Fragen
Ist das EVERCROSS EK20 in Deutschland legal?
Ja. Die EU-Version ist ein Pedelec: 250 Watt Nenndauerleistung, Unterstützung nur beim Treten bis 25 km/h, Schiebehilfe bis 6 km/h - rechtlich ein Fahrrad ohne Führerschein-, Versicherungs- und Helmpflicht. Kontrollieren Sie wie bei jedem Direktimport vor der ersten Fahrt K-Prüfzeichen an der Beleuchtung, Klingel und Reflektoren und rüsten Sie Fehlendes für kleines Geld nach.
Wie weit fährt das EK20 wirklich?
In unserem Test 36 bis 51 Kilometer je nach Unterstützungsstufe, in Stufe 1 rechnerisch rund 65. Das ist ein ehrlicher Klassenwert - die beworbenen "bis 110 Kilometer" sind ein Laborwert, den im Alltag kein Rad dieser Klasse erreicht.
Wie viele Unterstützungsstufen hat das EK20?
Drei, wählbar über das Display, dazu eine Schiebehilfe bis 6 km/h. Stufe 2 ist der beste Alltagskompromiss aus Schub und Reichweite; Stufe 3 macht am meisten Spaß, kostet aber spürbar Akku.
Dürfen zwei Personen auf dem EK20 fahren?
Ja. Das EK20 ist mit Sitzverlängerung und Fußrasten für die Personenmitnahme gebaut und eingerichtet, wie es § 21 Abs. 3 StVO verlangt - der Fahrer muss mindestens 16 Jahre alt sein. Beachten Sie die Zuladung von 120 bis 150 Kilogramm: Fahrer plus leichter Mitfahrer passt, zwei schwere Erwachsene mit Gepäck nicht. Kinder unter sieben Jahren brauchen weiterhin einen Kindersitz mit Speichenschutz.
Was kostet ein Ersatzakku?
Den Original-Akku (48 V/15,6 Ah) listet EVERCROSS für 209,99 Euro - ein fairer Kurs für 748 Wattstunden. Er war im Juni 2026 ausverkauft; wer das Rad lange fahren will, bestellt ihn, sobald er wieder verfügbar ist. Generische Akkus kosten mehr und passen nicht garantiert.
Verträgt das EK20 Regen, und wie versichere ich es gegen Diebstahl?
Das Rad ist nach IP54 spritzwassergeschützt - Regenfahrten sind kein Problem, nur Hochdruckreiniger und tiefe Pfützen sollten Sie meiden. Gegen Diebstahl draußen hilft die Hausratversicherung mit Fahrradklausel oder eine separate E-Bike-Police ab rund 60 Euro im Jahr.
Fazit der Redaktion
Das EVERCROSS EK20 hat uns in fünf Wochen mehr Freude gemacht, als wir einem 999-Euro-Direktimport zugetraut hätten. Es fährt sich bequem und gutmütig, sieht aus wie kein zweites Rad an der Ampel, trägt den größten Akku seiner Preisklasse - herausnehmbar und abschließbar - und ist dabei als Pedelec hundertprozentig legal unterwegs. Dass man es dank Sitzverlängerung und Fußrasten als eines der ganz wenigen Pedelecs im Rahmen der Zuladung auch zu zweit fahren darf, rundet den Moped-Charakter ab. Die Gussfelgen räumen das größte Verschleißrisiko der Geräteklasse ab, der Verbrauch von 30 Cent pro Vollladung ist fast geschenkt, und nach 400 Testkilometern lief alles so zuverlässig wie am ersten Tag. Dass internationale Tester vom "hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis" der Moped-Reihe schwärmen und ein polnischer Test sie "unseren elektrischen Harley" tauft, können wir nach diesem Test gut nachvollziehen.
Ehrlich bleiben die Abstriche, die den Preis erklären: Die Reichweiten-Werbung von 110 Kilometern ignorieren Sie am besten (real sind es solide 36 bis 51), die mechanischen Bremsen und die Einstiegs-Schaltung verlangen gelegentlich einen Inbusschlüssel, 42 Kilo will niemand in den dritten Stock tragen, und Fahrer über 1,85 Meter sitzen gedrungen. Wer damit leben kann - und das dürfte auf die meisten Stadt- und Kurzstreckenfahrer zutreffen -, bekommt hier ungewöhnlich viel Rad fürs Geld. Oder, wie es der Kollege von special-e.de formuliert: Das EK20 ist "kein Vernunftrad, sondern ein Statement auf breiten Reifen". Nach fünf Wochen ergänzen wir: Es ist beides.
EVERCROSS EK20
Für Stadt- und Kurzstreckenfahrer, die Moped-Komfort und einen großen Wechselakku wollen
Fünf Wochen Alltagstest ohne Defekt: bequem, kräftig im Antritt, mit 748-Wh-Wechselakku und legalem Pedelec-Status. Real 36 bis 51 Kilometer Reichweite - mehr Akku fürs Geld bietet derzeit kein Konkurrent.
- Stärke: Größter Akku der 1.000-Euro-Klasse, herausnehmbar und abschließbar; Gussfelgen ohne Speichenbruch-Risiko.
- Besonderheit: Sitzverlängerung und Fußrasten machen es zu einem der wenigen Pedelecs, die legal zu zweit gefahren werden dürfen (§ 21 Abs. 3 StVO) - dazu Federgabel und Zentralfederbein für Komfort deutlich über der Preisklasse.
- Einschränkung: 42 Kilo schwer, mechanische Bremsen mit gelegentlichem Justagebedarf, Sitzhöhe nicht verstellbar - nichts für Fahrer über 1,85 Meter.
So ist dieser Test entstanden
Das Testgerät wurde uns von EVERCROSS kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt. Es gab keine Bezahlung, keine inhaltlichen Absprachen und keine Vorab-Ansicht des Artikels durch den Hersteller. Getestet haben wir fünf Wochen im Alltagsbetrieb - Reichweitenmessungen, Ladezeiten, Wiegen und der Ausstattungs-Check erfolgten mit eigenen Mitteln; ergänzend haben wir deutsche und internationale Tests sowie Käuferberichte ausgewertet.








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