20 Liter Entfeuchtungsleistung pro Tag - so steht es auf der Verpackung. Was dort nicht steht: Diese Angabe gilt bei 30 Grad Raumtemperatur und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Bedingungen, die in keinem deutschen Keller herrschen. In der Realität schafft dasselbe Gerät oft nur 5 bis 8 Liter. Dazu kommen Stromkosten von 200 bis 300 Euro im Jahr, Brandgefahr durch Billiggeräte und ein Markt ohne Energielabel. Wir haben Herstellerdaten, Fachmagazin-Tests und Schadenberichte ausgewertet - und zeigen, welche Geräte sich 2026 trotzdem lohnen.
Marktsituation: Billig-Import trifft Premium-Nische
Der deutsche Luftentfeuchter-Markt wird von einem Konzern dominiert: Midea. Unter dem Namen Comfee verkauft der chinesische Elektronik-Riese seine Geräte auf Amazon.de - und belegt dort zuverlässig die oberen Plätze der Bestsellerlisten. Das Comfee MDDF-20DEN7-WF hat über 20.000 Bewertungen, der Durchschnitt liegt bei 4,3 Sternen. Für unter 150 Euro bekommt man ein Gerät mit App-Steuerung und 20 Litern Nennleistung. Klingt gut - die Frage ist nur, was diese Zahlen in der Praxis bedeuten.
Am anderen Ende des Spektrums stehen Hersteller wie Meaco aus Großbritannien, die mit leisen Geräten, HEPA-Filtern und fünf Jahren Garantie werben - zu Preisen ab 280 Euro. Dazwischen positionieren sich deutsche Marken wie Comedes und Trotec. Im Baumarkt ist die Auswahl überschaubar: Wer dort einen Luftentfeuchter sucht, findet bestenfalls zwei bis drei Modelle. Amazon ist der eigentliche Showroom dieser Produktkategorie.
Bemerkenswert: Stiftung Warentest hat bis heute keinen eigenen Luftentfeuchter-Test durchgeführt. In der Ausgabe 02/2025 verweist die Stiftung auf den britischen Partner Which?, der 12 Geräte getestet hat. Das Fachmagazin Haus & Garten Test prüfte zuletzt 5 Geräte (02/2025) und 6 Geräte (10/2024). Der Markt fliegt weitgehend unter dem Radar der großen Testinstitutionen.
Unsere Empfehlungen
Basierend auf unserer Auswertung der verfügbaren Fachmagazin-Tests, der technischen Datenblätter und hunderter Nutzerbewertungen empfehlen wir drei Geräte für unterschiedliche Anforderungen.
Meaco MeacoDry Arete One 20L
Für Schlafzimmer, Wohnräume und lärmempfindliche Nutzer
Das Ergebnis von fünf Jahren Entwicklung: Der Meaco Arete One ist der leiseste Kompressor-Entfeuchter in unserem Vergleich und wurde vom britischen Testmagazin Which? als Best Buy ausgezeichnet - die Referenz, auf die auch Stiftung Warentest verweist. Der integrierte HEPA-H13-Filter reinigt die Luft zusätzlich von Feinstaub, Pollen und Allergenen.
- Stärke: Mit 38 dB im Normalbetrieb ist der Arete One etwa doppelt so leise wie der Branchendurchschnitt (45-48 dB). Im Nachtmodus noch leiser. Der 4,8-Liter-Tank wird von vorne beladen - kein Herausziehen nötig.
- Garantie: Fünf Jahre Herstellergarantie - einzigartig in dieser Preisklasse. Meaco ist seit über 20 Jahren auf Entfeuchtung spezialisiert, kein Gemischtwarenladen.
- Einschränkung: Mit 280 Euro der teuerste in unserem Vergleich. Keine App-Steuerung beim Arete One (nur beim neueren Arete Two). Die reale Entfeuchtungsleistung liegt bei etwa 14 Litern pro Tag unter Wohnraumbedingungen.
Comfee MDDF-20DEN7-WF
Für preisbewusste Käufer mit Keller oder Badezimmer
Der meistverkaufte Luftentfeuchter auf Amazon.de - und das nicht ohne Grund. Für unter 150 Euro bekommt man ein Gerät mit WiFi-Steuerung, Alexa-Kompatibilität und drei Betriebsmodi. Die schiere Menge an Nutzerbewertungen (über 20.000) liefert ein realistischeres Bild als jeder Labortest.
- Stärke: App-Steuerung per WLAN, Alexa-kompatibel, drei Betriebsmodi (Normal, Eco, Wäschetrocknung). Solide Verarbeitung für die Preisklasse. Der Hygrostat regelt automatisch und schaltet bei Zielfeuchte ab.
- Praxis-Detail: Der 3-Liter-Tank ist der kleinste in unserem Vergleich. Bei voller Leistung müssen Sie alle 3 bis 4 Stunden leeren. Schließen Sie besser direkt den mitgelieferten Ablaufschlauch an einen Abfluss oder Eimer an.
- Einschränkung: 45 dB Betriebslautstärke - für Schlafzimmer grenzwertig. Die 360 Watt Nennleistung schlagen sich in höheren Stromkosten nieder als beim effizienteren Meaco. Kein HEPA-Filter.
Comedes Demecto 30 eco
Für große Keller, Garagen und Räume bis 100 Quadratmeter
Der Testsieger von Raumklimatest.de (Note 1,35 - sehr gut) überzeugt durch die Kombination aus hoher Entfeuchtungsleistung und dem mit Abstand größten Wassertank im Vergleich. Wo andere Geräte alle paar Stunden geleert werden müssen, arbeitet der Demecto 30 eco deutlich länger autark.
- Stärke: 25 Liter Nennleistung pro Tag und ein 6,5-Liter-Wassertank - der größte in unserem Vergleich. Zusätzlich Schlauchanschluss für Dauerbetrieb. Geeignet für Räume bis 100 Quadratmeter.
- Besonderheit: Comedes ist ein deutscher Hersteller mit Sitz in Essen. Der Demecto 30 eco ist auch als WiFi-Variante erhältlich (B0D1WPD39R). Modernes Hygrostat mit automatischer Abschaltung bei Zielfeuchte.
- Einschränkung: Mit 380 Watt Leistungsaufnahme im oberen Bereich. Die 45 dB Betriebslautstärke sind ordentlich, aber kein Flüsterbetrieb. Für Schlafzimmer ist der Meaco die bessere Wahl.
Technik-Check: Drei Prinzipien, ein klarer Sieger
Nicht jedes Gerät, das sich Luftentfeuchter nennt, funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Die Unterschiede sind erheblich - und erklären, warum ein 30-Euro-Gerät aus dem Drogeriemarkt nicht mit einem 200-Euro-Kompressor-Entfeuchter vergleichbar ist.
Kompressor-Entfeuchter: Der Standard
Das Arbeitsprinzip ist identisch mit dem eines Kühlschranks: Ein geschlossener Kältekreislauf mit Verdampfer, Kompressor und Kondensator. Die Raumluft wird über kalte Lamellen geleitet, Wasserdampf kondensiert und tropft in einen Auffangbehälter. Die entfeuchtete Luft wird anschließend wieder erwärmt und an den Raum abgegeben. Kompressor-Geräte dominieren die Preisklasse von 100 bis 500 Euro und sind für beheizte Wohnräume und gemäßigt kühle Keller die richtige Wahl.
Peltier-Geräte: Teure Enttäuschung
Die kleinen, oft würfelförmigen Geräte für 30 bis 60 Euro arbeiten mit thermoelektrischen Elementen statt einem Kompressor. Vorteil: nahezu geräuschlos. Nachteil: Die Entfeuchtungsleistung liegt bei maximal 750 Millilitern pro Tag - das ist ein Bruchteil dessen, was ein Kompressor-Gerät schafft. Für einen feuchten Keller oder ein Badezimmer mit Schimmelproblem sind Peltier-Geräte nutzlos. Allenfalls für einen kleinen Kleiderschrank sind sie geeignet.
Adsorptionstrockner: Der Kältespezialist
Adsorptionstrockner leiten die Luft über ein Trockenmittel (Silicagel oder Zeolith), das die Feuchtigkeit chemisch bindet. Der entscheidende Vorteil: Sie funktionieren auch bei Temperaturen unter 10 Grad - dort, wo Kompressor-Geräte versagen. Der Nachteil: höherer Stromverbrauch (500 bis 1.500 Watt), lauter und meist oberhalb von 500 Euro. Für unbeheizte Garagen oder Wintergärten eine Überlegung wert, für den Durchschnittshaushalt überdimensioniert.
| Kriterium | Kompressor (150-500 EUR) | Peltier (30-60 EUR) | Adsorption (ab 500 EUR) |
|---|---|---|---|
| Leistung | 10-25 L/Tag | 0,3-0,75 L/Tag | 7-20 L/Tag |
| Stromverbrauch | 250-500 Watt | 40-70 Watt | 500-1.500 Watt |
| Arbeitsbereich | 15-35 Grad | 15-40 Grad | 1-40 Grad |
| Lautstärke | 38-48 dB | 25-35 dB | 40-55 dB |
| Einsatz | Wohnung, Keller, Bad | Kleiderschrank | Unbeheizte Räume, Garage |
Abtauautomatik: Pflicht bei Kellereinsatz
Sinkt die Raumtemperatur unter 15 Grad, vereisen die Verdampfer-Lamellen eines Kompressor-Entfeuchters. Das Gerät wird wirkungslos oder schaltet ab. Achten Sie beim Kauf auf eine Abtauautomatik - idealerweise eine Heißgasabtauung (leitet warmes Kältemittel durch den Verdampfer). Die einfachere Umluftabtauung funktioniert nur oberhalb von 15 Grad. Für unbeheizte Kellerräume im Winter ist ein Kompressor-Gerät grundsätzlich die falsche Wahl.
Die Liter-Lüge: Warum Herstellerangaben irreführen
Die beworbene Entfeuchtungsleistung ist die wichtigste Kaufentscheidungszahl - und gleichzeitig die am stärksten geschönte. Der Grund: Die Messbedingungen nach ISO 4648 sehen 30 Grad Raumtemperatur und 80 Prozent relative Luftfeuchtigkeit vor. Das sind tropische Bedingungen, die in keinem deutschen Wohnraum und erst recht in keinem deutschen Keller herrschen.
Was im Kleingedruckten steht
Ein Gerät mit "20 Liter pro Tag" auf der Verpackung wurde unter Laborbedingungen getestet, die es in Deutschland schlicht nicht gibt. Die Realität sieht so aus:
| Bedingungen | Temperatur / Feuchte | Leistung (20-L-Gerät) | Verlust |
|---|---|---|---|
| Laborwert (Verpackung) | 30 Grad / 80% rF | 20 Liter/Tag | - |
| Beheizter Wohnraum | 20 Grad / 60% rF | 8-10 Liter/Tag | ca. 55% |
| Kühler Keller (Sommer) | 15 Grad / 70% rF | 5-7 Liter/Tag | ca. 70% |
| Kalter Keller (Winter) | 10 Grad / 80% rF | 4-5 Liter/Tag | ca. 75% |
Der physikalische Grund ist simpel: Kalte Luft kann weniger Wasserdampf speichern. Bei 10 Grad beträgt die maximale Wasserdampfmenge in der Luft nur 9,4 Gramm pro Kubikmeter - bei 30 Grad sind es 30,3 Gramm. Dem Kompressor steht also bei niedrigen Temperaturen schlicht weniger Feuchtigkeit zur Verfügung, die er auskondensieren könnte.
Faustregel für den Kauf
Rechnen Sie mit etwa 30 bis 40 Prozent der beworbenen Entfeuchtungsleistung, wenn Sie das Gerät in einem typischen deutschen Keller einsetzen (12-18 Grad). Für einen 40-Quadratmeter-Keller brauchen Sie mindestens ein Gerät mit 20 Litern Nennleistung - real werden daraus 6 bis 8 Liter. Das reicht, dauert aber länger als erwartet.

Stromfalle Dauerbetrieb: Die versteckten Folgekosten
Der Kaufpreis eines Luftentfeuchters ist nur ein Bruchteil der Gesamtkosten. Das teuerste an einem Entfeuchter ist nicht die Anschaffung - es ist der Strom. Bei einem deutschen Durchschnittsstrompreis von 37 Cent pro Kilowattstunde (Stand 2026) summieren sich die Betriebskosten schnell.
| Szenario | Gerät / Leistung | Betriebszeit | Stromkosten pro Monat | Stromkosten pro Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Feuchter Keller | 330 Watt / 8h pro Tag | Ganzjährig | ca. 29 EUR | ca. 350 EUR |
| Keller (saisonal) | 330 Watt / 8h pro Tag | 6 Monate (Apr-Sep) | ca. 29 EUR | ca. 175 EUR |
| Bad / Wäschetrocknung | 250 Watt / 4h pro Tag | Ganzjährig | ca. 11 EUR | ca. 135 EUR |
| Wasserschaden | 420 Watt / 24h pro Tag | 2-3 Wochen | - | ca. 55-80 EUR (einmalig) |
Das bedeutet konkret: Ein günstiges Gerät für 150 Euro, das ganzjährig im Keller läuft, verursacht Stromkosten, die den Kaufpreis bereits im ersten Jahr übersteigen. Nach drei Jahren haben Sie dreimal so viel für Strom bezahlt wie für das Gerät selbst. Geräte mit Hygrostat, die bei Erreichen der Zielfeuchte abschalten, senken den realen Verbrauch um 30 bis 50 Prozent - achten Sie beim Kauf unbedingt darauf.
Kein Energielabel: Vergleichen unmöglich
Für Kühlschränke, Waschmaschinen und Klimaanlagen gibt es EU-Energielabel von A bis G. Für Luftentfeuchter nicht. Die EU hat schlicht kein Energieeffizienz-Label für diese Produktkategorie vorgesehen. Das bedeutet: Sie können die Effizienz zweier Geräte nicht auf einen Blick vergleichen. Einziger Anhaltspunkt ist die Relation aus Entfeuchtungsleistung (Liter pro Tag) und Stromverbrauch (Watt). Je mehr Liter pro Watt, desto effizienter das Gerät.
Brandgefahr: Was das Institut für Schadenverhütung dokumentiert
Luftentfeuchter sind keine harmlosen Haushaltsgeräte. Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) hat allein für ein einziges Modell - den Eurotools CFZ0.8BDc, der auch unter dem Namen Chigo vertrieben wurde - mindestens acht Wohnungsbrände in Deutschland dokumentiert. Das Gerät wurde über die Baumarktkette Praktiker verkauft, insgesamt 19.000 Einheiten gelangten in deutsche Haushalte. Die Brandursache: Isolationsfehler im Kabelbaum des Lüftermotors, die zu Kurzschlüssen führten.
Und es sind nicht nur historische Fälle. Im Dezember 2023 verletzte sich eine 75-jährige Hausbesitzerin in Ried (Österreich) bei einem Wohnungsbrand, den ein defekter Luftentfeuchter ausgelöst hatte. Im Juli 2024 brannte ein Luftentfeuchter in einem Mehrfamilienhaus in Rapperswil-Jona (Schweiz) - Sachschaden 20.000 Franken, technischer Defekt als Ursache.
Sicherheitshinweise beim Kauf
- GS-Zeichen beachten: Das CE-Zeichen ist kein Prüfsiegel - es ist eine Selbsterklärung des Herstellers, dass das Produkt EU-Normen entspricht. Niemand prüft das. Das GS-Zeichen ("Geprüfte Sicherheit") hingegen wird von unabhängigen Laboren wie TÜV oder DGUV vergeben und erfordert eine tatsächliche Typenprüfung.
- Abstand halten: Mindestens 30 Zentimeter zu Wänden und Möbeln. Verstopfte Lüftungsöffnungen und Staubablagerungen führen zu Wärmestau.
- Kältemittel R290: Viele neue Geräte verwenden Propan als Kältemittel (umweltfreundlich, aber brennbar). Bei einem Leck in geschlossenen Räumen besteht theoretisch Entzündungsgefahr - allerdings sind die Füllmengen mit 100 bis 300 Gramm gering. Gerät bei ungewöhnlichen Geräuschen oder Geruch sofort vom Netz trennen.
- Niemals unbeaufsichtigt über Nacht: Besonders Billiggeräte ohne GS-Zeichen sollten nicht unbeaufsichtigt laufen.
Wann sich ein Luftentfeuchter lohnt - und wann nicht
Ein Luftentfeuchter ist kein Universalmittel gegen Feuchtigkeit. In manchen Fällen ist er die richtige Lösung, in anderen teurer Aktionismus, der die eigentliche Ursache verschleiert.
Sinnvoller Einsatz
Nach einem Wasserschaden: Hier sind Luftentfeuchter unentbehrlich. Die Trocknung dauert in der Regel 14 bis 21 Tage. Wichtig: Prüfen Sie die Wandfeuchte mit einem Messgerät, bevor Sie das Gerät abstellen. Bei versicherten Schäden übernimmt die Gebäudeversicherung in der Regel sowohl Gerätemietung als auch Stromkosten.
Wäschetrocknung in der Wohnung: Eine Maschinenladung nasser Wäsche gibt bis zu 3,5 Liter Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Wer keine Möglichkeit hat, draußen zu trocknen, profitiert von einem Entfeuchter mit Wäschetrocknungs-Modus.
Kondenswasser an Fenstern: Besonders in Altbauten mit alten Fenstern oder nach dem Einbau dichter Fenster ohne Lüftungskonzept kann ein Entfeuchter die Symptome lindern.
Falsche Lösung
Aufsteigende Feuchtigkeit: Wenn Wasser aus dem Erdreich über Kapillarwirkung in die Wände zieht, kämpft ein Entfeuchter gegen einen ständigen Nachschub. Sobald Sie das Gerät abschalten, steigt die Feuchtigkeit wieder an. Hier hilft nur eine professionelle Kellersanierung mit Horizontalsperre.
Defekte Abdichtung: Risse in der Fassade oder undichte Kellerwände erfordern bauliche Sanierung, nicht Symptombehandlung durch Entfeuchtung.
Falsches Lüftungsverhalten: Wer dauerhaft auf Kipp lüftet statt stoßzulüften, erzeugt Kondenswasser an ausgekühlten Wänden. Ein Entfeuchter löst dieses Problem nicht - richtiges Lüften (2 bis 4 Mal täglich, 5 bis 10 Minuten Stoßlüften) ist kostenlos und oft wirksamer.
Bevor Sie kaufen: Ursache klären
Etwa 80 Prozent aller Feuchtigkeitsprobleme in deutschen Wohnungen haben bauliche Ursachen - nicht falsches Lüftungsverhalten. Bevor Sie 200 bis 300 Euro für einen Entfeuchter ausgeben, lassen Sie die Ursache von einem Sachverständigen klären. Ein günstiges Thermo-Hygrometer (ab 15 Euro) zeigt Ihnen, ob Ihre Luftfeuchtigkeit überhaupt im kritischen Bereich liegt. Erst ab dauerhaft über 65 Prozent relativer Feuchte wird Schimmelbildung wahrscheinlich.
Mietrecht: Wer zahlt den Entfeuchter?
Schimmel in der Mietwohnung ist ein Dauerbrenner vor deutschen Gerichten. Die Grundregel: Wer den Schaden verursacht hat, zahlt. Das klingt einfach, ist es aber nicht.
Vermieter zahlt, wenn die Ursache baulich ist: mangelnde Wärmedämmung, Wärmebrücken, defekte Abdichtung, unzureichende Heizanlage oder dicht schließende Fenster ohne Lüftungshinweis. Die Beweislast liegt zunächst beim Vermieter - er muss nachweisen, dass kein baulicher Mangel vorliegt.
Mieter zahlt, wenn nachweislich falsches Heiz- und Lüftungsverhalten die Ursache ist. In der Praxis ist dieser Nachweis für Vermieter schwer zu führen.
Mängelanzeige nicht vergessen
Bei Feuchtigkeitsschäden oder Schimmel in der Mietwohnung sind Sie als Mieter nach §536c BGB verpflichtet, den Mangel unverzüglich dem Vermieter zu melden. Wer auf eigene Faust einen Entfeuchter kauft und die Meldung unterlässt, riskiert Schadensersatzansprüche des Vermieters. Melden Sie den Mangel schriftlich, dokumentieren Sie die Feuchtigkeit fotografisch und mit Hygrometer-Messungen.

Häufige Fragen
Wie laut ist ein Luftentfeuchter wirklich?
Kompressor-Entfeuchter liegen typisch zwischen 38 und 48 dB. Zum Vergleich: Ein Kühlschrank brummt mit etwa 35 dB, eine normale Unterhaltung liegt bei 50 dB. Der Meaco Arete One schafft 38 dB - im Wohnzimmer akzeptabel. Günstigere Geräte wie der Klamer 25L erreichen unter Last bis zu 65 dB - das ist im Schlafzimmer unzumutbar. Prüfen Sie vor dem Kauf die dB-Angabe und beachten Sie: Jede Verdopplung der wahrgenommenen Lautstärke entspricht einer Erhöhung um 10 dB.
Wie oft muss ich den Wassertank leeren?
Das hängt von der Tankgröße und der tatsächlichen Entfeuchtung ab. Bei einem 3-Liter-Tank (Comfee) und 8 bis 10 Litern realer Tagesentfeuchtung müssen Sie den Tank 2 bis 3 Mal am Tag leeren. Der Comedes Demecto 30 eco hat einen 6,5-Liter-Tank und hält doppelt so lange durch. Die praktischste Lösung für Dauerbetrieb: Ablaufschlauch direkt an einen Abfluss oder in einen Eimer anschließen. Dann entfällt das Leeren komplett.
Kann ich die Luft zu trocken machen?
Ja. Unter 40 Prozent relativer Feuchte trocknen Schleimhäute aus, das Infektionsrisiko steigt, Augen und Atemwege werden gereizt. Bei unter 30 Prozent drohen Nasenbluten, trockener Husten und Kopfschmerzen. Stellen Sie den Hygrostat auf 50 Prozent ein - das ist der ideale Kompromiss zwischen Schimmelschutz und Atemwegsgesundheit. Nutzen Sie ein separates Thermo-Hygrometer zur Kontrolle, da die eingebauten Sensoren der Entfeuchter Abweichungen von 3 bis 5 Prozent haben.
Welches Kältemittel sollte mein Gerät haben?
Neugeräte verwenden zunehmend R290 (Propan) - ein natürliches Kältemittel mit extrem niedrigem Treibhauspotenzial. Die ältere Generation nutzt R134a, das durch die EU F-Gas-Verordnung 2024/573 schrittweise verboten wird. R410A ist für neue Geräte ab 2025 bereits verboten. Kaufen Sie nach Möglichkeit ein Gerät mit R290 - es ist zukunftssicher. R290 ist zwar brennbar, die Füllmengen sind aber so gering (100-300 Gramm), dass bei ordnungsgemäßem Gebrauch kein Risiko besteht.
Lohnt sich ein Granulat-Entfeuchter als Alternative?
Granulat-Entfeuchter (Salzkristalle, die Feuchtigkeit binden) sind stromlos und kosten 10 bis 30 Euro. Sie schaffen aber nur 50 bis 500 Gramm Wasser pro Nachfüllpackung - das ist ein Bruchteil dessen, was ein Kompressor-Gerät in einer Stunde leistet. Für einen Kleiderschrank, ein Auto oder ein Boot reicht das. Für einen feuchten Keller oder ein Badezimmer mit Schimmelproblem ist Granulat wirkungslos.
Funktioniert ein Luftentfeuchter auch im kalten Keller?
Kompressor-Entfeuchter arbeiten optimal zwischen 15 und 30 Grad. Unter 15 Grad sinkt die Leistung drastisch, unter 10 Grad vereist der Verdampfer - selbst mit Abtauautomatik ist die Entfeuchtung dann minimal. Für unbeheizte Kellerräume im Winter (unter 10 Grad) ist ein Adsorptionstrockner die bessere, aber teurere Wahl. Alternativ: Den Keller im Winter auf mindestens 12 bis 15 Grad temperieren, damit der Kompressor effizient arbeitet.
Fazit der Redaktion
Der Luftentfeuchter-Markt hat ein Transparenzproblem. Herstellerangaben unter Laborbedingungen, die in Deutschland nie erreicht werden. Kein Energielabel, das Verbrauchern den Effizienzvergleich ermöglicht. Und ein CE-Zeichen, das nichts über die tatsächliche Sicherheit eines Geräts aussagt. Hinzu kommen Stromkosten, die den Kaufpreis schnell übersteigen.
Trotzdem: Ein guter Luftentfeuchter löst reale Probleme. Wer nach einem Wasserschaden trocknen muss, wer Wäsche in der Wohnung aufhängt oder wer einen Keller hat, in dem sich Kondenswasser sammelt, profitiert von einem Kompressor-Entfeuchter. Vorausgesetzt, die Ursache des Feuchtigkeitsproblems ist geklärt und keine bauliche Sanierung nötig.
Unser Rat: Investieren Sie lieber 50 bis 100 Euro mehr in ein effizientes Gerät mit Hygrostat, als beim Kaufpreis zu sparen und es bei den Stromkosten doppelt zurückzuzahlen. Der Meaco Arete One ist die Referenz für Wohnräume, der Comfee MDDF-20DEN7-WF der klügste Kauf für preisbewusste Nutzer, und der Comedes Demecto 30 eco die richtige Wahl für große Flächen. Achten Sie auf das GS-Zeichen, schließen Sie den Ablaufschlauch an, und stellen Sie den Hygrostat auf 50 Prozent - dann haben Sie alles richtig gemacht.








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