Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – kurz PFAS – finden sich in erschreckend vielen Alltagsprodukten. Aktuelle Tests von NDR Markt (Dezember 2025) und Stiftung Warentest belegen: Backpapier bekannter Marken, Apothekensonnencremes und sämtliche getesteten Kinderfahrradanhänger sind mit den problematischen Chemikalien belastet. Das Tückische: PFAS bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab und reichern sich im menschlichen Körper an. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung überschreitet bereits die Hälfte der deutschen Bevölkerung den gesundheitlichen Schwellenwert. Dieser Ratgeber fasst alle aktuellen Testergebnisse zusammen, nennt konkrete Produktnamen und zeigt, mit welchen Alternativen Sie Ihre Familie schützen können.

Was sind PFAS und warum sind sie problematisch?

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien. Sie wurden seit den 1950er-Jahren entwickelt, weil sie Wasser, Fett und Schmutz abweisen. Diese Eigenschaften machen sie für die Industrie attraktiv: in Antihaftbeschichtungen, wasserabweisenden Textilien, Lebensmittelverpackungen und Kosmetik.

Das Problem: Die Kohlenstoff-Fluor-Bindung ist eine der stabilsten chemischen Verbindungen überhaupt. PFAS bauen sich weder in der Umwelt noch im menschlichen Körper ab – daher der Beiname „Ewigkeitschemikalien“. Sie reichern sich in Boden, Grundwasser und Nahrungskette an.

Wie gelangen PFAS in den Körper?

Die Aufnahme erfolgt über mehrere Wege: kontaminiertes Trinkwasser, belastete Lebensmittel (vor allem Fisch, Innereien, Eier), Einatmen von Hausstaub aus behandelten Textilien, direkten Hautkontakt mit PFAS-haltigen Produkten sowie das Einatmen von Dämpfen beim Erhitzen von beschichteten Materialien.

⚠️ Wichtig zu wissen: PFAS werden über die Muttermilch weitergegeben. Säuglinge und Kleinkinder haben daher die höchste Exposition aller Bevölkerungsgruppen. Bei 20 Prozent der deutschen Kinder liegt die PFOA-Belastung bereits über dem gesundheitlichen Schwellenwert.

Backpapier im Test: Drei bekannte Marken mit PFAS belastet

Die NDR-Sendung „Markt“ ließ am 1. Dezember 2025 drei gängige Backpapiere vom Dekra-Labor untersuchen. Das Ergebnis: Alle drei Produkte enthielten Fluortelomeralkohole (FTOH) – eine leichtflüchtige PFAS-Untergruppe.

Diese Backpapiere sind betroffen

MarkeVertriebFTOH-BefundBewertung
PrivaNettoHöchste KonzentrationKritisch
ToppitsMelittaFTOH nachgewiesenKritisch
FrefmannFrefmannFTOH nachgewiesenKritisch

Die Hersteller bestreiten eine absichtliche PFAS-Verwendung. Melitta kündigte Nachtests an, nachdem das Dekra-Labor die hauseigenen Analysen als „nicht mehr zeitgemäß“ kritisierte. Netto verwies auf mögliche „natürliche Quellen“ im Holzrohstoff – eine Erklärung, die Experten als unplausibel einstufen.

Warum FTOH im Backpapier gefährlich ist

Bei Temperaturen über 220 Grad Celsius verdampfen Fluortelomeralkohole verstärkt. Sie gelangen dann über die Atemluft oder direkt über die Lebensmittel in den Körper. Für FTOH existieren keine gesetzlichen Grenzwerte in Lebensmittelkontaktmaterialien. Die Substanzen stehen jedoch im Verdacht, Organe zu schädigen und krebserregend zu wirken.

💡 Verbraucher-Tipp: Verwenden Sie Backpapier maximal bei 220°C. Besser noch: Steigen Sie auf Silikonbackmatten um. Im NDR-Test schnitten Matten von Kaiser und Temu gut ab – keine PFAS, flüchtige Stoffe innerhalb der Grenzwerte. Vor der ersten Nutzung die Matte eine Stunde bei 200°C im leeren Ofen ausheizen.

PFAS-freie Alternativen zum Backpapier

Wer auf Nummer sicher gehen will, hat mehrere Optionen: Silikonbackmatten sind wiederverwendbar und bei richtiger Pflege jahrelang haltbar. Die klassische Methode – Backform mit Margarine einfetten und mit Mehl bestäuben – ist garantiert PFAS-frei. Für Blechkuchen eignen sich auch Dauerbackfolien aus Glasfaser mit Antihaftbeschichtung auf PTFE-Basis, wobei diese bei sehr hohen Temperaturen ebenfalls problematisch sein können.

Sonnencreme: Verbotener Weichmacher in Apothekenprodukten

NDR Markt deckte im Juni 2024 auf, dass mehrere Sonnencremes den seit 2013 in Kosmetika verbotenen Weichmacher Di-n-hexyl-Phthalat (DnHexP) enthalten. Die Sendung wurde im Dezember 2025 wiederholt, da das Problem weiterhin besteht. Der Chemiker Holger Koch vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW bezeichnete DnHexP als „eines der toxischsten Phthalate überhaupt“.

Diese Sonnencremes sind belastet

ProduktVerkaufsstelleDnHexP-GehaltBewertung
Ladival Empfindliche Haut Plus LSF 50+Apotheke2,4 mg/kgHöchster Wert
ISDIN SonnenschutzApotheke1,5 mg/kgKritisch
Lacura SunAldi0,38 mg/kgErhöht

DnHexP ist als fortpflanzungsschädigend und hormonell wirksam eingestuft. Eine Studie des LANUV NRW fand bei 55 Prozent der untersuchten Kinder bereits Abbauprodukte dieses Weichmachers im Urin. Das Bundesinstitut für Risikobewertung relativiert allerdings: Bei typischer Anwendung müsste ein Kind täglich mit über einem Kilogramm Creme eingecremt werden, um bedenkliche Mengen aufzunehmen.

Unbedenkliche Sonnencremes: Die Testsieger

Sowohl Öko-Test als auch Stiftung Warentest haben 2025 umfangreiche Sonnencreme-Tests durchgeführt. Diese Produkte können wir empfehlen:

ProduktVerkaufsstellePreis ca.Bewertung
Cien Sun Sonnenmilch LSF 30Lidlunter 3 €Sehr gut
Sundance Sonnenmilchdmca. 3 €Sehr gut
Eucerin Oil Control Dry TouchApothekeca. 18 €Testsieger
Cien Sun Kids LSF 50+Lidlunter 4 €Sehr gut
Sundance Kids Sonnenspraydmca. 4 €Sehr gut

💡 Verbraucher-Tipp: Meiden Sie Sonnencremes mit dem UV-Filter DHHB (in der INCI-Liste als „Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoat“ aufgeführt). Dieser Filter ist die Hauptquelle der DnHexP-Verunreinigung. Die Discounter-Produkte von Lidl und dm schneiden in Tests regelmäßig besser ab als teure Apothekenprodukte.

Kinderanhänger: Alle zehn getesteten Modelle durchgefallen

Der Stiftung-Warentest-Bericht vom August 2024 erschütterte die Fahrradanhänger-Branche: Alle zehn geprüften Kinderfahrradanhänger erhielten die Note „mangelhaft“ – hauptsächlich wegen PFAS-Belastungen in den wasser- und schmutzabweisenden Textilien.

Diese Kinderanhänger sind belastet

ModellPreis ca.PFAS-BefundWeitere Mängel
Qeridoo Kidgoo 2 Fidlock Edition995 ۆber EU-Grenzwert
Thule Chariot Cab21.300 ۆber EU-POP-Grenzwert
Croozer Kid Vaaya 2ca. 900 €PFAS nachgewiesenSicherheitsmangel
Hamax Outback Oneca. 700 €PFAS nachgewiesenChlorparaffine

Einordnung: Wie gefährlich ist das für mein Kind?

Die Stiftung Warentest betont ausdrücklich: Die gebundenen PFAS in der Textilbeschichtung stellen kein direktes Gesundheitsrisiko für Kinder dar, die im Anhänger sitzen. Das Problem liegt in der Umweltbelastung. PFAS bauen sich nie ab und reichern sich in Boden, Wasser und Nahrungskette an. Der Kauf eines PFAS-belasteten Produkts trägt also zur globalen Verschmutzung bei.

✓ Gute Nachricht: Alle großen Hersteller haben auf die Kritik reagiert. Thule Chariot Cross 2 und Thule Chariot Sport Double werden laut Herstellerangaben bereits PFAS-frei gefertigt. Qeridoo bietet sogar kostenloses Recycling für bestehende Anhänger an.

Was Eltern jetzt tun können

Wer einen neuen Anhänger kaufen möchte, sollte explizit nach PFAS-freien Modellen fragen und sich die Angabe schriftlich bestätigen lassen. Die Stiftung Warentest empfiehlt als nachhaltigste Lösung den Kauf eines gebrauchten Anhängers: Das verlängert dessen Lebensdauer und verhindert neue PFAS-Einträge in die Umwelt. Bestehende Anhänger können weiter genutzt werden – das direkte Gesundheitsrisiko für das Kind ist gering.

TFA im Trinkwasser: Flächendeckende Belastung ohne Grenzwerte

ARD Plusminus berichtete am 9. Juli 2025 über Trifluoressigsäure (TFA) im deutschen Leitungswasser. TFA ist das kleinste und mobilste PFAS-Molekül. In allen getesteten Proben wurde die Substanz nachgewiesen – eine Belastungsquote von 100 Prozent.

TFA-Konzentrationen in deutschen Städten

OrtTFA-KonzentrationUBA-Leitwert (60 µg/L)
Kevelaer (NRW)2,4 µg/LUnter Leitwert
Dresden1,3 µg/LUnter Leitwert
Bad Wimpfen (Quelle)320 µg/L5-fach überschritten

TFA stammt etwa zur Hälfte aus industriellen Einleitungen. In Bad Wimpfen beispielsweise leitet das Chemieunternehmen Solvay täglich rund 24 Kilogramm TFA in den Neckar ein. Die andere Hälfte entsteht durch den Abbau von PFAS-haltigen Pestiziden und Kältemitteln aus Klimaanlagen.

Das regulatorische Vakuum

Für TFA existiert kein verbindlicher EU-Grenzwert. Die Substanz gehört nicht zu den 20 regulierten PFAS der europäischen Trinkwasserrichtlinie. Der Leitwert des Umweltbundesamtes von 60 µg/L ist ein politischer Kompromiss ohne rechtliche Bindung. Im Mai 2025 stufte das UBA TFA als fortpflanzungsgefährdend ein – eine Neubewertung der Grenzwerte steht aus.

💡 Verbraucher-Tipp: Herkömmliche Wasserfilter wie Brita sind gegen TFA wirkungslos. Einzig Umkehrosmose-Anlagen entfernen die Substanz zuverlässig (99,9 Prozent). Untertisch-Geräte kosten zwischen 200 und 800 Euro plus regelmäßiger Filterwechsel. Wer das Trinkwasser nicht filtern möchte, kann die TFA-Belastung über die Ernährung reduzieren: Bio-Produkte weisen laut Studien eine dreifach geringere TFA-Belastung auf als konventionelle Lebensmittel.

Weitere Produktkategorien: Wo PFAS noch lauern

PFAS finden sich nicht nur in Backpapier, Sonnencreme und Kinderanhängern. Aktuelle Tests zeigen Belastungen in zahlreichen weiteren Alltagsprodukten.

Outdoor-Kleidung

Eine gemeinsame Studie von BUND und IPEN aus 2024 fand in 63 Prozent der getesteten Kinder-Outdoorjacken PFAS. Besonders kritisch: Jacken von Billiganbietern wie Temu, Shein und Amazon-Marketplace. 12 von 17 untersuchten Produkten enthielten EU-verbotene Substanzen.

PFAS-freie Alternativen bieten VAUDE (seit 2021 vollständig umgestellt), Jack Wolfskin (seit 2019) und Patagonia (78 Prozent der Produkte). Die Stiftung Warentest empfiehlt, bei Outdoor-Kleidung gezielt nach dem OEKO-TEX Standard 100 oder dem Blauen Engel zu suchen.

Antihaft-Pfannen

Die Stiftung Warentest testet seit 2024 keine PTFE/Teflon-beschichteten Pfannen mehr – wegen der Umweltbelastung durch PFAS. Im Dezember 2024 wurden keramikbeschichtete Pfannen getestet. Testsieger wurden die Rösle „Silence Pro“ (Note 2,3) und die Ballarini „Ledro“ (Note 2,4). Beide sind PFAS-frei. Als Alternativen empfehlen sich Gusseisen-, Schmiedeeisen- oder Emaille-Pfannen.

Kosmetik und Mascara

L’Oréal hat angekündigt, 99 Prozent der Produkte bis Ende 2024 PFAS-frei zu reformulieren. Der aktuelle Öko-Test Mascara 2025 zeigt jedoch: Drei L’Oréal-Marken fielen mit „ungenügend“ durch – L’Oréal Voluminous, Maybelline The Colossal und Nyx Worth the Hype. Testsieger wurden Naturkosmetik-Produkte: Alterra (Rossmann), Alverde (dm), Lavera und Dr. Hauschka.

Lebensmittelverpackungen

76 Prozent der Fast-Food-Verpackungen sind PFAS-behandelt – betroffen sind Ketten wie McDonald’s, KFC, Subway und Nordsee. Besonders stark belastet: „kompostierbares“ Einweggeschirr aus Zuckerrohr, das mit PFAS gegen Feuchtigkeit behandelt wird. Seit 2023 haben Verbraucher das gesetzliche Recht, eigene Mehrwegbehälter mitzubringen.

Zahnseide

Der BUND fand PFAS in 2 von 7 getesteten Produkten: Dontodent Zahnband (dm) und Diadent (Budni). Als PFAS-frei bestätigt wurden Happybrush Superclean, Oral-B Essential Floss und Elmex gewachst.

Gesundheitsrisiken: Was die Wissenschaft sagt

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schätzt, dass etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung den tolerierbaren Wochenwert (TWI) von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht überschreitet. Die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit (GerES V) fand PFOS – eine besonders problematische PFAS-Variante – in 100 Prozent aller untersuchten Kinder.

Wissenschaftlich belegte Gesundheitseffekte

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat folgende Effekte als wissenschaftlich belegt eingestuft: verringerte Antikörperantwort auf Impfungen, erhöhte Cholesterinspiegel, verringertes Geburtsgewicht bei Neugeborenen sowie beeinträchtigte Brustdrüsenentwicklung bei Nachkommen exponierter Mütter.

Darüber hinaus stehen PFAS im Verdacht, das Risiko für bestimmte Krebsarten zu erhöhen – insbesondere Nieren- und Hodenkrebs. Die Datenlage ist hier jedoch noch nicht abschließend.

⚠️ Besonders gefährdete Gruppen: Säuglinge und Kleinkinder haben die höchste PFAS-Exposition aller Bevölkerungsgruppen – die Aufnahme erfolgt über die Muttermilch. Bei 20 Prozent der deutschen Kinder liegt die PFOA-Belastung bereits über dem gesundheitlichen Schwellenwert. Schwangere und Stillende sollten daher besonders auf PFAS-Vermeidung achten.

Praktische Einkaufstipps: So erkennen Sie PFAS-freie Produkte

Auf diese Kennzeichnungen achten

Positive Signale beim Einkauf sind Kennzeichnungen wie „PFAS-frei“, „PFC-frei“ oder „fluorcarbonfrei“. Vorsicht ist jedoch bei den Angaben „PFOA-frei“ oder „PFOS-frei“ geboten: Diese bedeuten nur, dass zwei bestimmte PFAS-Verbindungen nicht enthalten sind – andere problematische Substanzen der Gruppe können trotzdem vorhanden sein.

Zertifikate, denen Sie vertrauen können

Der OEKO-TEX Standard 100 schließt zahlreiche PFAS aus und gilt als verlässlicher Indikator. Der Blaue Engel berücksichtigt ebenfalls PFAS-Freiheit bei relevanten Produktkategorien. Das GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard) garantiert PFAS-Freiheit bei Textilien.

Digitale Helfer

Die ToxFox-App des BUND ermöglicht das Scannen von Kosmetik-Barcodes auf PFAS und andere Schadstoffe. Die Scan4Chem-App generiert automatische Herstelleranfragen zu Inhaltsstoffen per Barcode-Scan.

Allgemeine Verhaltenstipps

Im Haushalt: Backpapier maximal bei 220 Grad verwenden, beschichtete Pfannen durch Gusseisen oder Keramik ersetzen, keine PFAS-haltigen Imprägniersprays verwenden, Mehrwegbehälter statt Einwegverpackungen nutzen.

Bei der Ernährung: Bio-Produkte bevorzugen (dreifach geringere TFA-Belastung), Wildschweinleber meiden (extrem hohe PFAS-Werte bis 1.332 µg/kg), Konsum von Fisch und Innereien reduzieren.


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Häufige Fragen zu PFAS

Was bedeutet PFAS und warum heißen sie „Ewigkeitschemikalien“?

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien. Der Beiname „Ewigkeitschemikalien“ rührt daher, dass die Kohlenstoff-Fluor-Bindung extrem stabil ist: PFAS bauen sich weder in der Umwelt noch im menschlichen Körper ab und reichern sich über Jahrzehnte an.

Ist mein Leitungswasser mit PFAS belastet?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja. Der BUND fand in 91 Prozent aller getesteten Trinkwasserproben PFAS. Die Konzentrationen variieren jedoch stark je nach Region und Wasserversorger. Ab 2026 gelten neue EU-Grenzwerte, die Wasserversorger zur Einhaltung verpflichten. Bis dahin können Umkehrosmose-Filter die Belastung reduzieren.

Kann ich meinen Kinderfahrradanhänger noch benutzen?

Ja. Die Stiftung Warentest betont, dass die gebundenen PFAS in der Textilbeschichtung kein direktes Gesundheitsrisiko für Kinder darstellen, die im Anhänger sitzen. Das Problem liegt in der Umweltbelastung bei Herstellung und Entsorgung. Einen funktionierenden Anhänger weiterzunutzen ist sinnvoller als einen neuen zu kaufen.

Welches Backpapier ist PFAS-frei?

Der NDR-Test untersuchte nur drei Marken, die alle belastet waren. Als sichere Alternativen empfehlen sich Silikonbackmatten (im Test gut: Kaiser, Temu) oder die klassische Methode mit Margarine und Mehl. Wer Backpapier nutzt, sollte Temperaturen von 220 Grad nicht überschreiten.

Sind teure Apothekensonnencremes sicherer?

Nein, im Gegenteil. Die höchsten Belastungen mit dem verbotenen Weichmacher DnHexP fanden sich in Apothekenprodukten wie Ladival und ISDIN. Günstige Discounter-Sonnencremes von Lidl (Cien Sun) und dm (Sundance) schnitten in Tests regelmäßig mit „sehr gut“ ab.

Wie erkenne ich PFAS-freie Outdoor-Kleidung?

Achten Sie auf Kennzeichnungen wie „PFAS-frei“, „PFC-frei“ oder „fluorcarbonfrei“. Zertifikate wie OEKO-TEX Standard 100 oder Blauer Engel sind verlässliche Indikatoren. Marken wie VAUDE, Jack Wolfskin und Patagonia haben ihre Produktion weitgehend auf PFAS-freie Alternativen umgestellt.

Filtert mein Brita-Wasserfilter PFAS heraus?

Nein. Herkömmliche Aktivkohlefilter wie Brita sind gegen PFAS und insbesondere TFA weitgehend wirkungslos. Nur Umkehrosmose-Anlagen entfernen diese Substanzen zuverlässig (Effizienz über 99 Prozent). Diese kosten zwischen 200 und 800 Euro für Untertisch-Geräte.

Welche Lebensmittel sind besonders PFAS-belastet?

Hohe PFAS-Konzentrationen finden sich in Fisch (besonders aus belasteten Gewässern), Innereien, Eiern und Wild. Extrem belastet ist Wildschweinleber mit bis zu 1.332 µg/kg. Bio-Produkte weisen im Schnitt eine dreifach geringere TFA-Belastung auf als konventionelle Lebensmittel.

Wird PFAS bald verboten?

Ein EU-weites Verbot ist in Vorbereitung. Deutschland und vier weitere EU-Staaten haben 2023 einen Beschränkungsvorschlag für über 10.000 PFAS-Substanzen eingereicht. Gestaffelte Verbote werden erwartet: nach einem Jahr für Textilien und Lebensmittelverpackungen, nach zwei Jahren für Kosmetik. Neue Trinkwassergrenzwerte treten ab Januar 2026 in Kraft.

Kann ich PFAS im Körper wieder loswerden?

PFAS werden nur sehr langsam ausgeschieden. Die Halbwertszeit im menschlichen Körper beträgt je nach Substanz zwischen zwei und acht Jahren. Eine aktive „Entgiftung“ ist nicht möglich. Der einzige Weg ist, die weitere Aufnahme zu minimieren – dann sinken die Blutspiegel langsam über Jahre.

Fazit: Vorsorge ist möglich – aber Eigeninitiative gefragt

Die aktuellen Testergebnisse von NDR Markt, Stiftung Warentest und ARD Plusminus zeigen ein beunruhigendes Bild: PFAS sind in deutschen Haushalten allgegenwärtig – von der Küche über das Badezimmer bis zum Kinderzimmer. Besonders problematisch: Für viele Anwendungsbereiche existieren keine verbindlichen Grenzwerte, und selbst verbotene Substanzen tauchen in Produkten auf.

Die gute Nachricht: Für praktisch jede belastete Produktkategorie existieren sichere Alternativen. Discounter-Sonnencremes schlagen teure Apothekenprodukte, Silikonmatten ersetzen belastetes Backpapier, und die Fahrradanhänger-Hersteller haben bereits reagiert. Wer bewusst einkauft, Zertifikate beachtet und vorhandene Produkte lange nutzt statt neu zu kaufen, kann seine PFAS-Exposition deutlich reduzieren.

Besonders exponierte Gruppen – Schwangere, Stillende und Familien mit Kleinkindern – sollten zusätzlich auf Bio-Lebensmittel setzen und bei hoher Trinkwasserbelastung über einen Umkehrosmose-Filter nachdenken. Die regulatorische Lage verbessert sich: Ab 2026 gelten neue EU-Trinkwassergrenzwerte, ein umfassendes PFAS-Verbot ist in Vorbereitung. Bis dahin liegt die Verantwortung beim informierten Verbraucher.

Stand: Dezember 2025. Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert.

Verbraucher.Online Redaktion
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