Wer auf einem E-Scooter abbiegen will, soll den Arm ausstrecken und mit einer Hand weiterlenken, auf zehn Zoll kleinen Rädern. Damit ist bald Schluss: E-Scooter, die neu in den Handel kommen, brauchen ab 2027 Blinker vorne und hinten. So steht es in der geänderten Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, die im Februar 2026 im Bundesgesetzblatt erschienen ist. Ab März 2027 gelten außerdem neue Verkehrsregeln und höhere Bußgelder. Wir haben den Verordnungstext, die Antworten des Bundesverkehrsministeriums, die Typzulassungsliste des Kraftfahrt-Bundesamts und die aktuellen Tests von ADAC und Stiftung Warentest ausgewertet. Die gute Nachricht vorweg: Wer jetzt einen Markenscooter kauft, muss nicht warten und nichts nachrüsten.

Blinker sind bei neuen Scootern ab 2027 Pflicht, alte dürfen weiterfahren

Bisher waren Blinker an E-Scootern nur „zulässig“. Die Änderungsverordnung vom 30. Januar 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 32) hat daraus „vorgeschrieben“ gemacht: Neue Elektrokleinstfahrzeuge brauchen Fahrtrichtungsanzeiger, die nach vorne und nach hinten wirken (§ 5 Abs. 4 eKFV). Die Leuchten müssen bauartgenehmigt sein, die Fahrerin oder der Fahrer muss das Blinken sehen und hören, und Blinker in den Lenkerenden dürfen nicht von der Hand verdeckt werden können.

Formal gelten die neuen Bauvorschriften seit dem 1. April 2026 für neue Typzulassungen. Scooter mit einer älteren Zulassung dürfen aber noch bis zum 31. Dezember 2026 nach altem Recht neu verkauft werden (§ 15 Abs. 4 eKFV). Das Bundesverkehrsministerium fasst es in seinen Antworten zur Novelle so zusammen: „Ab dem Jahr 2027 gilt eine verpflichtende Ausrüstung für neu produzierte Elektrokleinstfahrzeuge mit Fahrtrichtungsanzeigern (Blinkern).“

Die Rechtsfolge für Besitzer

Wer einen E-Scooter mit gültiger Allgemeiner Betriebserlaubnis (ABE) besitzt, muss ihn wegen der Blinkerpflicht nicht nachrüsten und darf ihn weiter fahren. Das Bundesverkehrsministerium schreibt dazu: „Elektrokleinstfahrzeuge, die gekauft wurden und über eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) oder Einzelbetriebserlaubnis verfügen, können weiterverwendet werden.“ Ein Scooter ohne Blinker wird also nicht illegal, nur weil der Kalender umspringt.

Den Wortlaut von § 15 Abs. 4 kann man auch strenger lesen: Er sagt, dass die alten Vorschriften für Scooter mit alter Zulassung „bis zum Ablauf des 31. Dezember 2026“ angewandt werden, und schweigt zur Zeit danach. Für Käufer zählt die klare Aussage des Ministeriums. Offen ist aber, ob Händler unverkaufte Lagerware ohne Blinker nach dem Jahreswechsel noch neu verkaufen dürfen. Eine amtliche Antwort darauf haben wir nicht gefunden.

Warum die Blinkerpflicht kommt

Die Polizei hat 2025 in Deutschland 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registriert, 38,1 Prozent mehr als im Vorjahr. 38 Menschen kamen ums Leben, 1.895 wurden schwer verletzt (Destatis, Juli 2026). Fehler beim Abbiegen, Wenden und Anfahren macht die Polizei in 7,5 Prozent der Fälle beim E-Scooter-Fahrer aus. Häufiger sind falsche Straßenbenutzung (21,6 Prozent) und Alkohol (10,9 Prozent).

Das Handzeichen ist auf dem Scooter das eigentliche Problem. Der TÜV-Verband forderte schon 2019 eine Blinkerpflicht und riet, die Hände am Lenker zu lassen. Wie selten das Handzeichen in der Praxis vorkommt, zeigt eine Beobachtung des österreichischen Kuratoriums für Verkehrssicherheit in Wien: Nur 2 Prozent der E-Scooter-Fahrer zeigten das Abbiegen überhaupt an.

Recherche-Fakten

  • Bestand: In Deutschland waren Ende 2025 rund 1,67 Millionen E-Scooter versichert, davon rund 1,37 Millionen private Fahrzeuge (GDV, August 2026).
  • Zulassungsstau: Zwischen dem 1. April und dem 19. August 2026 hat das Kraftfahrt-Bundesamt laut seiner ABE-Liste keine einzige neue E-Scooter-Typzulassung erteilt; erst seit dem 20. August 2026 kommen Typen nach neuem Recht dazu.
  • Segway: Das Pekinger Start-up Ninebot übernahm im April 2015 den US-Pionier Segway; Ninebot ist seit dem 29. Oktober 2020 an der Shanghaier Technologiebörse STAR Market notiert.
  • Xiaomi: Den ersten Xiaomi-E-Scooter M365 von 2016 hat Ninebot entwickelt.
  • Fertigung: Auch die E-Scooter der Schweizer Marken SoFlow und VMAX und der Hamburger Marke Egret werden nach unserer Recherche in China gefertigt; keine dieser Marken weist eine eigene Fertigung in Europa aus.

Neue Verkehrsregeln ab März 2027: E-Scooter fahren wie Fahrräder

Der zweite Teil der Novelle betrifft nicht die Technik, sondern das Fahren. Ab dem 1. März 2027 gelten für E-Scooter weitgehend die Regeln für Radfahrer. Das bringt Erleichterungen, aber auch höhere Bußgelder.

  • Radverkehrsschilder gelten mit: Ist ein Gehweg mit „Radverkehr frei“ beschildert, dürfen dort künftig auch E-Scooter fahren. Bisher brauchte es ein eigenes Zusatzschild.
  • Nebeneinanderfahren ist erlaubt, solange niemand behindert wird. Bisher kostete es 15 Euro.
  • Der Grünpfeil für Radfahrer gilt auch für E-Scooter.
  • Kommunen dürfen das Abstellen von Leih-Scootern regeln und E-Scooter örtlich verbieten.
  • Die eigene Handzeichen-Regel der eKFV entfällt. Wie Radfahrer müssen Scooter-Fahrer das Abbiegen trotzdem ankündigen: mit Blinker oder, wenn keiner da ist, per Handzeichen.
Verstoß Bisher Ab 1. März 2027
Auf dem Gehweg fahren 15 Euro (bis 30 Euro) 25 Euro (bis 40 Euro)
Zu zweit fahren 5 Euro 25 Euro
Nebeneinander fahren 15 Euro erlaubt, wenn niemand behindert wird
Vorhandenen Radweg nicht benutzen keine eigene Regel 25 Euro
Ohne ABE fahren 70 Euro 70 Euro
Ohne gültige Versicherungsplakette 40 Euro und Straftat nach § 30 PflVG unverändert
Ab 0,5 Promille 500 Euro, 1 Monat Fahrverbot unverändert

Quelle: Änderungsverordnung zur eKFV und Bußgeldkatalog, Stand Oktober 2026. Unverändert bleiben das Mindestalter von 14 Jahren, die Versicherungspflicht und die 0,0-Promille-Grenze für Fahrer unter 21 Jahren und in der Probezeit. Eine Helmpflicht gibt es weiterhin nicht. Die 822 verunglückten Mitfahrer im Jahr 2025 erklären, warum das Fahren zu zweit künftig fünfmal so teuer wird.

Passt mein E-Scooter zu den neuen Regeln?

Vier Fragen, dann wissen Sie, ob Sie etwas tun müssen

1 Hat Ihr Scooter eine Straßenzulassung (ABE)?
2 Besitzen Sie ihn schon oder wollen Sie kaufen?
3 Hat der Scooter Blinker ab Werk?
4 Ist die Versicherungsplakette aktuell (schwarz, seit 1. März 2026)?
Ihr Ergebnis

Jetzt kaufen oder warten? Bei Markenscootern spricht nichts gegen jetzt

Die Frage stellt sich seltener, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Alle zehn Modelle im E-Scooter-Test des ADAC vom Juli 2026 und alle sieben im Test der Stiftung Warentest (test 08/2025) haben bereits Blinker. Wer einen Scooter einer bekannten Marke mit ABE kauft, bekommt in aller Regel schon heute Blinker, und mit der Zusage des Ministeriums darf er ihn auch nach 2027 ohne Umbau fahren.

Einen Haken gibt es trotzdem. Alle Modelle, die wir auf Amazon mit ABE und Blinker gefunden haben, wurden nach altem Recht zugelassen, also vor dem 1. April 2026. Ob ihre Blinker die strengeren neuen Vorgaben erfüllen, etwa gegen Verdecken durch die Hand geschützt zu sein, hat niemand geprüft, und für Besitzer spielt es rechtlich keine Rolle. In der Praxis schon: In Kundenbewertungen zu mehreren Segway- und Xiaomi-Modellen heißt es, die Blinker in den Lenkerenden seien von hinten kaum zu sehen, weil die Hand sie verdeckt. Auch der ADAC bemängelt bei mehreren Testmodellen, dass die Blinker von der Seite schlecht sichtbar oder zu leise sind.

Die ersten Typen nach neuem Recht stehen schon in der KBA-Liste: Seit August 2026 sind etwa die Segway-Modelle ZT3 Max und MAX G3 Pro zugelassen, am 13. Oktober 2026 kam Xiaomis komplette „II“-Generation dazu, darunter der Electric Scooter 6 Pro II. Auf Amazon waren diese Modelle Ende Oktober noch nicht erhältlich. Wer sie haben will, wartet bis ins Frühjahr. Wer jetzt fahren will, kauft ein aktuelles Modell mit Blinkern, und zwar am besten eines, dessen Blinker auch am Heck sitzen.

Was bedeutet das für Sie beim Kauf?

Kaufen Sie nur einen E-Scooter mit ABE-Nummer, die auf dem Typenschild steht und in der öffentlichen ABE-Liste des Kraftfahrt-Bundesamts auftaucht. Achten Sie auf Blinker, die auch hinten am Fahrzeug sitzen, nicht nur in den Lenkerenden. Ein Scooter ohne Blinker, der Ende 2026 als Restposten verkauft wird, bleibt mit ABE legal, ist aber gegenüber neuen Modellen sicherheitstechnisch im Nachteil. Ein Rabatt von 20 oder 30 Euro wiegt das nicht auf.

Unsere Empfehlungen: Vier E-Scooter mit Blinker und ABE

Für die Auswahl haben wir nur Modelle berücksichtigt, die ab Werk Blinker haben, in der ABE-Liste des Kraftfahrt-Bundesamts stehen (Stand 13. Oktober 2026) und auf Amazon bestellbar sind. Dazu kamen die Testergebnisse von ADAC und Stiftung Warentest, die Herstellerangaben und die wiederkehrenden Muster in Kundenbewertungen. Den ADAC-Testsieger Segway Ninebot F3 Pro D (Note 2,0, 699 Euro) haben wir auf Amazon nicht gefunden.

Unsere Top-Empfehlung

Segway-Ninebot Max G2 D ist nach unserer Auswertung der beste E-Scooter für Pendler, die schon jetzt einen Scooter mit vollständiger Blinkeranlage wollen. Segway nennt ausdrücklich Blinker vorne und hinten, dazu kommen 120 Kilogramm Zuladung, Vollfederung und schlauchlose Reifen. Laut Berichten über den Test der Stiftung Warentest (08/2025) war er Testsieger mit „gut“ (2,3), und auf Amazon kostet er rund 530 Euro (Stand: Oktober 2026).

Unsere Empfehlung Segway-Ninebot MAX G2 D, E Scooter mit Straßenzulassung für Erwachsene, max. 20 km/h Geschwindigkeit, 70 km Reichweite, Lange Reichweite

Segway-Ninebot Max G2 D

Für Pendler mit längeren Strecken und Fahrer bis 120 kg

529,99€

Der Max G2 D hat eine hydraulische Federung vorne und eine Doppelfederung hinten, 10-Zoll-Reifen ohne Schlauch mit selbstdichtender Gelschicht und laut Segway bis zu 70 Kilometer Reichweite bei 450 Watt Nennleistung. Mit 24,3 Kilogramm ist er schwer. ABE-Nummer P372 (KBA, März 2023). Preis rund 530 Euro (Stand: Oktober 2026).

  • Stärke: Blinker laut Segway vorne und hinten, also nicht nur in den Lenkerenden; 120 Kilogramm maximale Zuladung.
  • Besonderheit: Laut Berichten über den Warentest-Vergleich 08/2025 Testsieger mit 2,3; die Einzelnoten stehen hinter der Bezahlschranke.
  • Einschränkung: Zugelassen 2023 nach altem Recht. Amazon meldete Ende Oktober nur noch wenige Exemplare auf Lager, und einzelne Käufer kritisieren die Blinker und die Reichweite.
Preis-Leistungs-Tipp Segway-Ninebot E3 D E-Scooter für Pendler mit Deutscher Straßenzulassung, 45km Reichweite (37km bei 20km/h), 800W Motor, faltbar & leicht (17,5kg), Federung vorne & hinten, 10-Zoll Reifen, IPX5

Segway-Ninebot E3 D

Für kurze Stadtwege und leichtere Fahrer bis 100 kg

356,99€

Der E3 D ist auf Amazon der meistverkaufte E-Scooter und wiegt nur 17,5 Kilogramm. Segway nennt 276 Wattstunden Akku, bis zu 37 Kilometer bei 20 km/h, schlauchlose 10-Zoll-Reifen und eine Elastomer-Federung vorne und hinten. ABE-Nummer P561 (KBA, Mai 2025). Preis rund 357 Euro (Stand: Oktober 2026).

  • Stärke: Leicht genug zum Tragen in den dritten Stock, Ortung über Apple „Wo ist?“.
  • Besonderheit: Segway wirbt mit „Blinkern vorne und hinten“; nach einem Praxisbericht sitzen sie aber beide am Lenker.
  • Einschränkung: Nur 100 Kilogramm Zuladung, hinten nur eine elektronische Bremse. In Kundenbewertungen ist die Reichweite der häufigste Kritikpunkt, besonders bei schwereren Fahrern.
Viel Akku, von uns getestet EVERCROSS EV10S MAX E Scooter mit ABE, 500 W Motor, bis 80 KM Reichweite | 10 zoll vakuumreifen e roller, 48V 864Wh Akku,Doppelte federung und App,E scooter mit Straßenzulassung für Erwachsene

EVERCROSS EV10S Max

Für leichte Fahrer, die selten laden wollen

489,99€

Den EV10S Max haben wir selbst rund 120 Kilometer gefahren. Komfort, Bremsen und Akkuausdauer haben uns überzeugt, die Blinker werden mit einem Schalter über dem Gashebel bedient, die Hände bleiben am Lenker. Der Akku hat rund 750 Wattstunden. ABE-Nummer P502 (KBA, September 2024). Preis rund 490 Euro (Stand: Oktober 2026).

  • Stärke: Großer Akku für seine Preisklasse, Federung vorne und hinten, App-Sperre.
  • Besonderheit: Ausführlich beschrieben in unserem Test des EVERCROSS EV10S Max.
  • Einschränkung: Amazon nennt 120 Kilogramm Nutzlast; laut Fahrzeugpapieren sind das aber 120 Kilogramm Gesamtmasse, für Fahrer und Gepäck bleiben rund 99 Kilogramm. Das Trittbrett ist schmal.
Für Kopfsteinpflaster Egret X Core+ E-Scooter, 55km Reichweite, 12,5" Gravel-Reifen | Geländetauglich, Blinker, App-Steuerung, Federung, Tragfähigkeit bis 130kg

Egret X Core+

Für schwere Fahrer und schlechte Straßen

899,00€

Die Hamburger Marke Egret baut den X Core+ mit 12,5-Zoll-Luftreifen, mechanischen Scheibenbremsen vorne und hinten und 130 Kilogramm Zuladung. Der Motor leistet 500 Watt (900 Watt Spitze), der Akku 499 Wattstunden. Das Schwestermodell X core erhielt im ADAC-Test 2026 die Note 2,3. ABE-Nummer P559 (KBA, April 2025). Preis rund 899 Euro (Stand: Oktober 2026).

  • Stärke: Getrennte Scheibenbremsen vorne und hinten statt einer elektronischen Hinterradbremse, große Reifen für Pflaster und Schotter.
  • Besonderheit: Egret ist der einzige Hersteller in unserer Recherche, der seine Lenkerendenblinker ausdrücklich als zertifiziert bewirbt.
  • Einschränkung: Deutlich teurer als die Segway-Modelle, nur vorne gefedert. Auf Amazon gibt es erst 16 Bewertungen.
Modell Blinker ABE (KBA) Akku Max. Zuladung Gewicht Bremsen Preis (Stand: Okt. 2026)
Segway-Ninebot Max G2 D vorne und hinten (Hersteller) P372, 2023 keine Angabe 120 kg 24,3 kg keine Angabe (Amazon: regenerativ) ca. 530 Euro
Segway-Ninebot E3 D am Lenker P561, 2025 276 Wh 100 kg 17,5 kg Trommel vorne, hinten elektronisch ca. 357 Euro
EVERCROSS EV10S Max ja, Schalter am Gashebel P502, 2024 ca. 750 Wh ca. 99 kg (Papiere) 20,8 kg mechanisch ca. 490 Euro
Egret X Core+ Lenkerenden, zertifiziert (Hersteller) P559, 2025 499 Wh 130 kg 22 kg Scheibe vorne und hinten ca. 899 Euro
Xiaomi Electric Scooter 6 Pro am Lenker P639/P655, 2025 468 Wh 120 kg 27,3 kg Scheibe vorne, hinten elektronisch ca. 549 Euro
NIU KQi 300P ja, Position keine Angabe P492 (Typ KQi 300), 2024 487 Wh 120 kg 20,9 kg Scheibe vorne und hinten ca. 349 Euro

Herstellerangaben, ABE-Daten aus der KBA-Liste (Stand 13. Oktober 2026), Preise auf Amazon (Stand: Oktober 2026). Der Xiaomi 6 Pro ist mit 27,3 Kilogramm der schwerste Scooter im Vergleich. Der NIU KQi 300P hat auf dem Papier die beste Bremsanlage, war bei Amazon Ende Oktober aber erst in drei Wochen lieferbar und hat nur wenige Bewertungen. NIU hat seinen Auslandsabsatz von Kickscootern Ende 2025 nach eigenen Angaben stark zurückgefahren.

Grauer E-Scooter mit orangefarben leuchtendem Blinker am Lenkerende an einer Radweg-Kreuzung in einer deutschen Innenstadt
Blinker in den Lenkerenden sind erlaubt. Die neue Verordnung verlangt aber, dass die Hand sie nicht verdecken kann.

Warnsignale beim Kauf: ABE prüfen, Lenkerbruch ernst nehmen

Auf Amazon und in Onlineshops werden weiter E-Scooter ohne Straßenzulassung verkauft, oft deutlich billiger. Wer damit auf öffentlichen Straßen fährt, zahlt 70 Euro Bußgeld. Schwerer wiegt, dass für ein Fahrzeug ohne ABE keine Versicherungsplakette ausgegeben wird: Fahren ohne Versicherungsschutz ist nach § 30 Pflichtversicherungsgesetz eine Straftat, und bei einem Unfall zahlen Sie alle Schäden selbst. Fahrzeuge, die schneller als 20 km/h fahren, sind keine Elektrokleinstfahrzeuge mehr und brauchen eine andere Zulassung.

So prüfen Sie einen E-Scooter vor dem Kauf

  • ABE-Nummer: Sie beginnt mit einem Buchstaben und einer Zahl (etwa P561) und muss in der öffentlichen Liste des Kraftfahrt-Bundesamts zum Hersteller und Modell passen. „Straßenzulassung“ im Produkttitel reicht nicht.
  • Blinker: Fragen Sie, ob sie auch hinten sitzen. Nachrüst-Blinker für 6 bis 50 Euro von Amazon sind meist nicht bauartgenehmigt und verbessern zwar die Sichtbarkeit, ändern aber nichts an der Zulassung.
  • Zuladung: Lesen Sie, ob der Hersteller Nutzlast oder Gesamtmasse meint. Beim EVERCROSS EV10S Max liegen dazwischen rund 20 Kilogramm.
  • Lenker: Im ADAC-Test 2026 brachen beim Navee N65 II und beim Streetbooster Sirius die Lenker im Härtetest; beide erhielten nur „ausreichend“ (4,5). Schon bei der Stiftung Warentest 08/2025 war der Streetbooster Vega laut Berichten wegen eines gebrochenen Lenkers „mangelhaft“.
  • Rückrufe: Decathlon ruft die E-Scooter B'Twin MD500E und SD500E zurück, die zwischen 1. September 2024 und 15. Juni 2026 gekauft wurden, weil Rahmen und Lenkerrohr brechen können. Prüfen Sie Ihr Modell auf der Rückrufseite des Herstellers.

Versicherung und Unterhalt: Die Plakette wechselt jedes Jahr am 1. März

Jeder E-Scooter mit ABE braucht eine Versicherungsplakette. Sie gilt jeweils vom 1. März bis Ende Februar des Folgejahres, seit März 2026 ist sie schwarz. Der ADAC nennt für die reine Haftpflicht Preise ab etwa 45 Euro im Jahr, mit Teilkasko etwa 80 bis 100 Euro. Einzelne Versicherer verlangen weniger, die Tarife für 2027 erscheinen meist erst im Februar. Eine Teilkasko kann sich lohnen: Laut GDV wurden 2024 von 10.000 kaskoversicherten E-Scootern 284 gestohlen, bei Autos waren es 3.

Ein Kurzschluss im Akku bleibt das größte technische Risiko. Wie Sie Ladegerät, Ladeort und Versicherungsfragen im Brandfall richtig einschätzen, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Brandgefahr von Lithium-Akkus. Viele Verkehrsbetriebe verbieten E-Scooter in Bussen und Bahnen, prüfen Sie das vor dem Kauf, wenn Sie den Scooter für die letzte Meile zur Haltestelle nutzen wollen.

Zusammengeklappter E-Scooter mit schwarzer Versicherungsplakette am Heck in einem hellen Hausflur neben einer Steckdose
Ohne gültige Plakette fahren Sie unversichert. Die neue gibt es jedes Jahr ab dem 1. März.

Häufige Fragen

Muss ich meinen E-Scooter mit Blinkern nachrüsten?
Nein. Laut Bundesverkehrsministerium dürfen gekaufte E-Scooter mit ABE ohne Änderung weiter genutzt werden. Die Blinkerpflicht gilt für neu produzierte Fahrzeuge ab 2027.

Ab wann gilt die Blinkerpflicht genau?
Für neue Typzulassungen seit dem 1. April 2026. Scooter mit älterer Zulassung dürfen bis zum 31. Dezember 2026 noch ohne Blinker neu in Verkehr kommen. Ab 2027 haben neu verkaufte E-Scooter also Blinker.

Darf ich Nachrüst-Blinker anbringen?
Zusätzliche Leuchten an einem Fahrzeug mit ABE müssen bauartgenehmigt sein. Die meisten günstigen Nachrüst-Sets sind es nicht. Eine Pflicht zum Nachrüsten gibt es nicht, bei Handzeichen bleibt es dann aber.

Darf ich ab 2027 auf dem Gehweg fahren?
Nur, wo „Radverkehr frei“ steht. Das gilt ab dem 1. März 2027 auch für E-Scooter. Auf normalen Gehwegen kostet das Fahren dann 25 statt 15 Euro.

Gibt es eine Helmpflicht?
Nein. Die Novelle führt keine Helmpflicht ein. Bei 1.895 Schwerverletzten im Jahr 2025 ist ein Helm trotzdem die sinnvollste Ausgabe nach dem Scooter selbst.

Wie erkenne ich einen E-Scooter nach neuem Recht?
Seit April 2026 schreibt die Verordnung eine Fahrzeug-Identifizierungsnummer und ein Fabrikschild mit Baujahr und ABE-Nummer vor. Ob die ABE nach dem 1. April 2026 erteilt wurde, zeigt die KBA-Liste.

Fazit der Redaktion

Warten lohnt sich nur, wenn Sie unbedingt eines der ersten Modelle nach neuem Recht wollen, etwa Xiaomis „II“-Generation oder die neuen Segway ZT3. Alle anderen kaufen jetzt, aber gezielt: Ein Markenscooter mit ABE und Blinkern bleibt auch nach 2027 legal. Unsere erste Wahl ist der Segway-Ninebot Max G2 D, weil er Blinker auch am Heck hat und schwerere Fahrer trägt. Für kurze Wege reicht der leichte E3 D, für wenige Ladestopps der EVERCROSS EV10S Max, für Pflaster und schwere Fahrer der Egret X Core+.

Abraten würden wir von drei Dingen: von Scootern ohne ABE-Nummer, egal wie günstig, von Restposten ohne Blinker, nur weil sie 30 Euro billiger sind, und von Modellen, deren Lenker im ADAC-Härtetest gebrochen ist. Und bis Ihr Scooter blinkt: Zeigen Sie das Abbiegen trotzdem an, auch wenn es mit einer Hand am Lenker unbequem ist.