Ein eigener Stromerzeuger gibt Sicherheit – doch ohne den richtigen Kraftstoff läuft nichts. Wer Benzin für den Notfall lagert, holt sich eine hochexplosive Gefahr ins Haus. Falsche Kanister, überalterter Sprit oder der falsche Lagerort können nicht nur das Gerät zerstören, sondern lebensgefährlich werden. Wir klären auf, wie Sie Benzin gesetzeskonform und sicher lagern, damit im Ernstfall das Licht wirklich brennt.

Die unterschätzte Gefahr im Keller: Warum Vorratshaltung Planung erfordert

Die Anschaffung eines Notstromaggregats ist für viele Hausbesitzer der erste Schritt zur Krisenvorsorge. Doch das Aggregat ist nur so gut wie der Treibstoff, der es antreibt. Anders als Toilettenpapier oder Dosenravioli ist Benzin ein chemisch instabiles Gefahrgut. Es altert, es gast aus und es reagiert auf Temperaturschwankungen. Wer sich unvorbereitet 60 Liter Benzin in einfachen Plastikkanistern in den Heizungskeller stellt, schafft kein Sicherheitsnetz, sondern eine Brandfalle.

In diesem Ratgeber analysieren wir die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die private Lagerung von Ottokraftstoffen. Wir prüfen, welche Kanister wirklich dicht halten und warum der teure Sonderkraftstoff aus dem Baumarkt langfristig die günstigere Versicherung für Ihren Generator ist.

WICHTIG ZU WISSEN: Die Grundregel der Haltbarkeit
Handelsübliches Tankstellenbenzin (E5/E10) ist nicht für die jahrelange Lagerung konzipiert. Die Mineralölindustrie garantiert die Zündfähigkeit in der Regel nur für etwa drei Monate. Für die Notstromversorgung bedeutet das: Entweder Sie „wälzen“ den Vorrat regelmäßig um (verbrauchen und neu kaufen) oder Sie greifen zu chemisch stabilen Alternativen.

1. Die Rechtslage: Wo darf wie viel lagern?

Bevor wir über Kanister und Oktanzahlen sprechen, müssen wir einen Blick in das deutsche Regelwerk werfen. Die Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten ist in der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS 510) sowie in den jeweiligen Garagenverordnungen der Bundesländer (GarVO) geregelt. Verstöße sind keine Kavaliersdelikte und können im Brandfall dazu führen, dass die Wohngebäude- und Hausratversicherung die Leistung verweigert.

Lagerung in der Wohnung und im Keller

In Wohnräumen ist die Lagerung von Benzin extrem stark reglementiert – und das aus gutem Grund. Benzindämpfe sind toxisch und leicht entzündlich.

  • In Wohnungen: Maximal 1 Liter brennbare Flüssigkeit (was für ein Aggregat nutzlos ist).
  • Im Keller: In einem Kellerraum (oft pro Nutzungseinheit/Partei gerechnet) dürfen maximal 20 Liter Benzin gelagert werden. Wichtig: Dies gilt oft für den gesamten Kellerbereich, nicht pro Raum, wenn diese baulich verbunden sind.

Lagerung in Kleingaragen

Die Garage ist der klassische Ort für den Reservekanister. Für sogenannte Kleingaragen (bis 100 m² Nutzfläche) gilt in der Regel:

  • Bis zu 200 Liter Diesel sind erlaubt (da Diesel schwerer entflammbar ist).
  • Aber nur bis zu 20 Liter Benzin.

Hinweis: Einige Quellen interpretieren die TRGS 510 so, dass auch mehr Benzin in geeigneten Behältern in Garagen gelagert werden darf, sofern die Bausubstanz (Brandschutzwände) dies zulässt. Die meisten Landesgaragenverordnungen begrenzen die Menge jedoch strikt auf die genannten 20 Liter („unerhebliche Menge“). Im Zweifel gilt: Fragen Sie Ihre örtliche Feuerwehr oder schauen Sie in Ihre Versicherungsbedingungen. Wir raten zur defensiven Auslegung: 20 Liter Maximum in der Garage.

Lagerort Erlaubte Menge Benzin Erlaubte Menge Diesel Empfehlung
Wohnung Max. 1 Liter Keine Lagerung empfohlen Absolut ungeeignet.
Keller Max. 20 Liter Max. 20 Liter Nur bei sehr guter Belüftung.
Kleingarage Max. 20 Liter Max. 200 Liter Bester Ort, fernab von Hitzequellen.
Gartenhaus Länderabhängig Länderabhängig Frost und Hitze beachten (Kondenswasser!).

2. Das Behältnis: Plastik oder Blech?

Wer Benzin lagert, braucht den richtigen Behälter. Alte Waschmittelflaschen oder einfache Wasserkanister sind tabu – das Benzin würde den Kunststoff auflösen. Aber auch bei zugelassenen Kraftstoffkanistern gibt es gewaltige Qualitätsunterschiede.

Kunststoffkanister (HDPE)

Die roten oder schwarzen Kanister aus dem Baumarkt bestehen meist aus High-Density Polyethylen (HDPE). Sie sind leicht, billig und korrosionsfrei.

Das Problem: Kunststoff ist nicht zu 100 % diffusionsdicht. Benzine enthalten leichtflüchtige Bestandteile, die im Laufe der Zeit durch die Wandung diffundieren. Das riecht man nicht nur (Geruchsbelästigung im Keller), es verändert auch die Qualität des verbleibenden Kraftstoffs – die Zündwilligkeit sinkt. Zudem versprödet der Kunststoff durch UV-Strahlung und Kontakt mit den Kohlenwasserstoffen.

HALTBARKEITSDATUM FÜR KANISTER
Wussten Sie, dass Kunststoffkanister ein Ablaufdatum haben? Kanister für den Transport von Gefahrgut dürfen in der Regel maximal 5 Jahre verwendet werden. Auf jedem zugelassenen Kanister finden Sie eine Prägung, die einem Zifferblatt ähnelt, mit dem Herstellungsjahr und -monat. Prüfen Sie Ihre Bestände: Ein Kanister von 2015 gehört entsorgt, da das Material brüchig werden kann.

Metallkanister (Jerrycans)

Für die langfristige Lagerung (Prepper-Bereich, Notfallvorsorge) raten wir klar zum klassischen Metallkanister, oft „Jerrycan“ genannt.

Die Vorteile:

  • Gasdicht: Kein Entweichen von Zündbestandteilen.
  • Robust: Mechanisch deutlich belastbarer.
  • Langlebig: Bei korrekter Innenbeschichtung kein Rosten, quasi unbegrenzt haltbar.

Achten Sie beim Kauf auf eine hochwertige Innenbeschichtung (meist benzinbeständiger Lack), damit Kondenswasser im Inneren nicht zu Rost führt, der später den Vergaser des Aggregats verstopft. Ein Sicherheitsverschluss mit Sicherungssplint ist Pflicht.

3. Der Kraftstoff: Warum E10 der Feind des Notstromaggregats ist

Die größte Herausforderung bei der Lagerung ist die Chemie des Benzins selbst. Modernes Tankstellenbenzin ist eine Mischung aus über 100 verschiedenen Kohlenwasserstoffen und Additiven sowie einem gesetzlich vorgeschriebenen Bio-Anteil (Ethanol).

Das Ethanol-Problem (E5 und E10)

Ethanol ist hygroskopisch, das heißt, es zieht Wasser aus der Luftfeuchtigkeit an. Lagert Benzin in einem nicht ganz vollen Kanister über Monate, bindet der Alkohol das Kondenswasser aus der Luft im Kanister.

Irgendwann ist der Sättigungspunkt erreicht. Dann trennt sich das Gemisch (Phasentrennung): Unten im Kanister sammelt sich eine aggressive Wasser-Alkohol-Phase, oben schwimmt zündunwilliges Benzin. Gelangt die untere Phase in den Motor, führt dies zu Korrosion und Startversagen. Zudem verharzen die Bio-Bestandteile beim Verdunsten und verkleben die feinen Düsen im Vergaser.

Die Lösung: Alkylatbenzin (Sonderkraftstoff)

Für Geräte, die nur selten laufen (wie Rasenmäher, Kettensägen und eben Notstromaggregate), gibt es synthetisch hergestelltes Benzin, sogenanntes Alkylatbenzin (bekannte Marken u.a. Aspen 4, Stihl MotoMix 4-Takt, Oest).

Dieses Benzin ist:

  • Frei von Ethanol (zieht kein Wasser).
  • Frei von Benzol (weniger gesundheitsschädlich).
  • Extrem lagerstabil: Verschlossen bis zu 3-5 Jahre haltbar ohne Qualitätsverlust.

Der Nachteil ist der Preis (ca. 3 bis 5 Euro pro Liter). Doch für einen Vorrat von 20 Litern für den Notfall ist dies eine einmalige Investition von ca. 80-100 Euro, die garantiert, dass das Aggregat im Ernstfall beim ersten Zug anspringt. Einen Vergaser im Dunkeln bei Minusgraden zu reinigen, kostet mehr Nerven als der Aufpreis wert ist.

Vergleich: Tankstellenbenzin vs. Sonderkraftstoff
Merkmal Super Benzin (E5 / E10) Alkylatbenzin (4-Takt)
Lagerfähigkeit 3 bis max. 6 Monate 3 bis 5 Jahre
Ethanolanteil 5% bis 10% 0%
Risiko Verharzung, Wasserziehung Keines
Kosten (ca.) 1,70 € / Liter 4,50 € / Liter

Alternative: Benzin-Stabilisatoren

Wenn Sie aus Kostengründen Tankstellenbenzin lagern wollen, nutzen Sie sogenannte Kraftstoff-Stabilisatoren (Fuel Stabilizer). Diese Additive verzögern die Oxidation und Korrosion. Sie können die Haltbarkeit von E5-Benzin auf ca. 12 bis 24 Monate verlängern. Wichtig: Der Stabilisator muss sofort beim Befüllen des Kanisters zugegeben werden, nicht erst, wenn das Benzin schon alt ist.

4. Sicherheit beim Umgang und Befüllen

Haben Sie das Benzin sicher gelagert, kommt der Ernstfall. Das Licht geht aus, Sie holen das Aggregat. Hier passieren die meisten Unfälle.

Niemals bei heißem Motor nachfüllen

Dies ist der wichtigste Sicherheitshinweis überhaupt. Wenn der Generator zwei Stunden lief und der Tank leer ist, sind Auspuff und Motorblock extrem heiß. Verschütten Sie beim Nachfüllen im Dunkeln auch nur einen Schluck Benzin auf den heißen Auspuff, entzündet sich der Treibstoff schlagartig.

Die Regel: Lassen Sie das Gerät vor dem Nachtanken mindestens 15 Minuten abkühlen. Nutzen Sie Einfüllstutzen oder Trichter mit Überlaufschutz.

Gefahr durch Kohlenmonoxid

Auch wenn es nicht direkt die Lagerung betrifft, muss es erwähnt werden: Ein Notstromaggregat darf niemals in geschlossenen Räumen betrieben werden. Auch nicht bei offener Garage. Das entstehende Kohlenmonoxid ist geruchlos und tödlich. Lagern Sie das Benzin im gut belüfteten Raum, aber betreiben Sie das Gerät im Freien mit Abstand zu Fenstern.

ACHTUNG: Statische Aufladung
Beim Umfüllen von Benzin entsteht Reibungselektrizität. Insbesondere wenn Sie Plastikkanister nutzen und diese auf einem isolierenden Untergrund (z.B. Ladefläche eines Pickups mit Kunststoffwanne oder Teppichboden) stehen. Stellen Sie den Kanister zum Befüllen immer auf den festen Erdboden, um eine Erdung zu gewährleisten und Funkenflug zwischen Kanister und Einfüllstutzen zu vermeiden.

5. Rotation: Das rollierende System

Wenn Sie sich gegen teures Alkylatbenzin entscheiden und normales Superbenzin (am besten Super Plus oder Premium-Sprit ohne Ethanol, prüfen Sie die Säulenbeschriftung!) nutzen, müssen Sie ein Rotationssystem etablieren.

So funktioniert es:

  1. Kaufen Sie 20 Liter Benzin im Metallkanister.
  2. Beschriften Sie den Kanister mit dem Kaufdatum.
  3. Nutzen Sie das Benzin nach 6 Monaten für Ihr Auto (Einfüllstutzen bereithalten).
  4. Füllen Sie den Kanister sofort wieder frisch auf.

So haben Sie stets relativ frischen Kraftstoff im Haus, ohne dass er „schlecht“ wird. Dies erfordert jedoch Disziplin. Vergessene Kanister nach 2 Jahren einfach ins Auto zu kippen, kann zu Motorschäden führen.

FAQ: Häufige Fragen zur Benzinlagerung

1. Friert Benzin im Winter ein?
Nein. Benzin hat einen Gefrierpunkt von ca. -45 Grad Celsius oder tiefer. In deutschen Wintern friert Benzin im Gartenhaus oder in der Garage nicht ein. Es kann jedoch bei sehr tiefen Temperaturen zähflüssiger werden, was aber für Notstromaggregate meist unproblematisch ist.

2. Kann ich Benzin in leeren Wasserflaschen lagern?
Auf keinen Fall. PET-Flaschen sind nicht benzinfest. Das Benzin löst Weichmacher heraus, die Flasche wird weich, undicht und kann platzen. Zudem besteht extreme Verwechslungsgefahr für Kinder.

3. Woran erkenne ich überlagertes Benzin?
Frisches Benzin riecht scharf und aromatisch und ist meist klar (leicht gelblich). Überlagertes Benzin („umgekippt“) riecht faulig, ähnlich wie alter Lack oder Terpentin. Zudem verfärbt es sich oft dunkel und trübe. Solches Benzin darf nicht mehr verwendet werden.

4. Was mache ich mit altem Benzin?
Altes Benzin ist Sondermüll. Es darf keinesfalls in die Kanalisation oder den Boden gekippt werden. Bringen Sie es zum örtlichen Wertstoffhof oder zur Schadstoffsammelstelle. Dort wird es fachgerecht entsorgt.

5. Ist Premium-Benzin (z.B. V-Power, Ultimate) besser zur Lagerung?
Ja. Viele Premium-Kraftstoffe enthalten kein oder deutlich weniger Ethanol als Standard-E5/E10, auch wenn an der Zapfsäule aus rechtlichen Gründen E5 steht (Blick ins Datenblatt des Herstellers hilft). Ohne Ethanol ist die Wasseranziehung geringer und die Lagerstabilität höher.

6. Darf ich den Generator vollgetankt lagern?
Für kurze Zeit ja. Für längere Zeit (Überwinterung) sollte der Tank voll (gegen Rost bei Metalltanks) sein, aber der Vergaser leer. Schließen Sie den Benzinhahn und lassen Sie den Motor laufen, bis er von selbst ausgeht. So verbleibt kein Benzin im Vergaser, das verharzen könnte.

7. Wie viel Benzin verbraucht ein Notstromaggregat?
Ein gängiges Inverter-Aggregat mit 2000 Watt Leistung verbraucht bei Teillast etwa 0,7 bis 1,0 Liter pro Stunde. Mit 20 Litern Vorrat kommen Sie also gut 20 bis 24 Stunden weit. Das reicht, um Kühlschrank und Licht über mehrere Tage stundenweise zu betreiben.

8. Warum blähen sich Plastikkanister im Sommer auf?
Benzin dehnt sich bei Wärme aus und gast aus. Da Plastikkanister dicht schließen (sollen), entsteht Innendruck. Hochwertige Kanister halten das aus. Öffnen Sie sie vorsichtig, um den Druck abzulassen („Zischen“). Lassen Sie Kanister nie in der prallen Sonne stehen.

9. Was tun, wenn Benzin im Keller ausgelaufen ist?
Sofort lüften! Fenster und Türen auf. Keine elektrischen Schalter betätigen (Lichtschalter = Funke). Benzin mit Bindemittel (Katzenstreu, Sand) aufnehmen und entsorgen. Bei größeren Mengen oder starkem Geruch im ganzen Haus: Feuerwehr rufen. Explosionsgefahr!

10. Gibt es einen Unterschied zwischen 2-Takt und 4-Takt Lagerung?
Ja. Fertiges 2-Takt-Gemisch (Benzin + Öl) ist noch weniger lagerstabil als reines Benzin, da das Öl die Qualität des Benzins zusätzlich beeinträchtigen kann (Entmischung). Lagern Sie für 2-Takt-Generatoren besser reines Benzin und das Öl separat und mischen Sie erst kurz vor Gebrauch.

Unser Fazit

Die Lagerung von Benzin für Notstromaggregate ist eine Gratwanderung zwischen sinnvoller Vorsorge und unnötigem Risiko. Wer glaubt, mit ein paar billigen Kanistern E10 im Keller für den „Tag X“ gerüstet zu sein, irrt gewaltig. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Kraftstoff im Ernstfall den Generator ruiniert, ist höher als der Nutzen.

Wir empfehlen für die private Krisenvorsorge eine pragmatische „High-End“-Lösung: Kaufen Sie 10 bis 20 Liter Alkylatbenzin (Sonderkraftstoff) in einem hochwertigen Metallkanister oder in den originalen Gebinden des Herstellers. Lagern Sie diese vorschriftsmäßig in der Garage oder einem gut belüfteten Schuppen. Das kostet Sie einmalig rund 80 Euro, aber Sie kaufen sich damit die Gewissheit, dass Ihr Notstromaggregat auch nach drei Jahren Stillstand zuverlässig anspringt. Sparen Sie nicht am falschen Ende – Sicherheit und Zuverlässigkeit haben beim Notstrom oberste Priorität.

Daniel Novak - Verbraucher.Online
Daniel Novak mag es überhaupt nicht, minderwertige Produkte zu kaufen. Deshalb hat er Verbraucher.Online ins Leben gerufen, eine Plattform für Gleichgesinnte, die auf qualitativ hochwertige Produkte Wert legen. Hier arbeitet er daran, Verbraucher.Online zu einem vertrauenswürdigen Ratgeber für anspruchsvolle Konsumenten zu machen und schreibt hauptsächlich zum Thema Solargeneratoren und Notstromaggregate.

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